Der Intendant des öffentlich-rechtlichen Ungarischen Fernsehens (MTV), Karoly Mendreczky, ist zurückgetreten. Er sehe sich nicht im Stande, die Einrichtung aus ihrer Finanzkrise zu führen, sagte Mendreczky auf einer Sitzung des MTV-Stiftungskuratoriums. Die Geschäfte wird der vor einer Woche vom Kuratorium bestimmte Vize-Intendant Imre Ragats fortführen, meldete die ungarische Nachrichtenagentur MTI. Der scheidende Intendant war vor einem Jahr von der damaligen konservativen Regierung unter Viktor Orban eingesetzt worden. Als Gemeindepolitiker aus Orbans Bund Junger Demokraten (FIDESZ) stand er im Rufe eines "Parteisoldaten." Die jetzt regierende Ungarische Sozialistische Partei (MSZP) warf der von ihm geleiteten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt in der Wahlkampf-Berichterstattung krasse Parteilichkeit vor. Diese Kritik wurde von einer Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) weitgehend geteilt. Im Stiftungskuratorium ergab sich allerdings keine qualifizierte Mehrheit für eine Ablösung Mendreczkys. Die Sozialisten erreichten seinen "freiwilligen" Rückzug durch Drohungen, das Fernsehen finanziell auszutrocknen, sowie durch eine Verdoppelung seiner Abfindung. Vor Mendreczky hatten bereits einige Führungskader, die der rechtsextremen Ungarischen Wahrheits- und Lebenspartei (MIEP) nahe stehen, unter ihnen der umstrittene Nachrichtendirektor Peter Csermely, die Sendeanstalt verlassen. Das Ungarische Fernsehen war während der FIDESZ-Regierung auch in eine tiefe finanzielle Krise geraten. (APA/dpa)