Dass die Not-Öffnungen der Wagentüren mechanisch zu tätigen sind, halte er für sinnvoll, sagte ein Elektrotechniker der Firma Siemens am Dienstag als Zeuge im Kaprun-Prozess aus. Er war im Juni 1994 beauftragt, die Standseilbahn nach Montage der neuen Wagenaufbauten wieder in Betrieb zu setzen. In seinem Aufgabenbereich lag die sicherheitstechnische Anlage der Zuggarnitur. Über die mechanische Entriegelung der Türen habe sich die Firma Siemens allerdings keine Gedanken gemacht, dafür sei sie nicht zuständig gewesen. Bei der behördlichen Abnahme der Bahn im Juli 1994 habe er nicht auf den Einbau eines Heizlüfters geachtet, sagte der Elektrotechniker vor Gericht. Er bestätigte, dass ursprünglich jeweils ein Heizstrahler und ein Lüfter in den Führerständen vorgesehen wären. Es wurde aber ein komplettes Heizgerät eingebaut. "In keiner Weise bedenklich" Der zweite Zeuge an diesem Tag war ein Zivilingenieur für Maschinenbau, der von der Firma Swoboda beauftragt worden war, die Einreichunterlagen für die neue Bahn zu überprüfen und den Befund dem Verkehrsministerium zu übergeben. Im Ausführungsplan sei nicht ersichtlich gewesen, dass "die Frontmaske des Wagens aus einem anderen Material ist", sagte der Zivilingenieur. Aus optischen- und Konstruktionsgründen sei ein glasfaserverstärkter Kunststoff verwendet worden. "Dagegen habe ich keine Bedenken gehabt. Statisch war sogar eine bessere Tragfähigkeit gegeben." Die neue Frontmaske sei in keiner Weise bedenklich oder alarmierend gewesen. "Brandschutztechnisch nicht auffälliger" Auf die Frage eines Verteidigers, ob er seinen Prüfbericht geändert hätte, wenn die Änderung der Frontmaske in der technischen Beschreibung festgehalten worden wäre, meinte der Zeuge: "Nein. Das neue Material war auch brandschutztechnisch nicht auffälliger." Ob die Gletscherbahnen Kaprun darauf vertrauen konnten, dass alles dem technischen Stand entsprochen habe? "Ja", sagte der Zeuge, die GBK hätten dafür auch keinen eigenen Ziviltechniker beiziehen müssen. Die Heizlüfter in den Führerständen wären seiner Meinung nach keine Gefahrenquelle gewesen. Zur Funktion der Schienenzangenbremse gab er an, dass sie nur im Notfall betätigt werde, um den Wagen zum Halten zu bringen, wenn zum Beispiel ein Seil reißt. Bei Hauptrevisionen sei eine Funktionsprobe im Stillstand der Bahn ausreichend. Eine Maschinenbremse könne auch keinen Brand auslösen. (APA)