Das Interesse an freier Software wächst, die Hinwendung zu solchen Programmen sei etwas ganz "natürliches", befand sogar eine im Auftrag der EU erstellte Studie . Gründe für das zunehmende Interesse an Software, die nicht im Besitz eines bestimmten Herstellers ist, gibt es viele, wie entsprechenden Umfragen zu entnehmen ist. Häufig und gerne Dass viele Unternehmen und auch Behörden gerade jetzt so häufig und gerne über Open Source reden, hat wohl vor allem zwei Gründe. Zum einen wird in Zeiten leerer Kassen und einer angespannten Wirtschaftslage überall ganz zwangsläufig über Einsparmöglichkeiten nachgedacht, und da sind die im Prinzip kostenlos erhältlichen Open-Source-Programme eine nahe liegende Möglichkeit. Erwachen Ein anderer Grund ist die geänderte Lizenzpolitik von Microsoft, dem Lieferanten der wohl am häufigsten in Behörden und Firmen eingesetzten Betriebssysteme und Officeprogramme. Für viele Unternehmen und Verwaltungen werde es nach dem 31. Juli das große Erwachen geben, warnt das Computermagazin " c't " in der neuen Ausgabe. Denn bis dahin müssten sie sich entschieden haben, ob sie ihre Software per Abo oder Miete beziehen wollten. Und es habe auch schon Proteste gegen diese neue Lizenzpolitik gehagelt - der WebStandard berichtete. Druck auf Mcrosoft Und tatsächlich spielen wohl viele Unternehmen mit dem Gedanken, auf andere Produkte und eben besonders Open-Source-Programme umzusteigen, und sei es auch nur in der Hoffnung, Microsoft mit diesen öffentlichen Überlegungen unter Druck setzen zu können. Kosten In zwei jetzt veröffentlichen Studie für die EU wird aber deutlich, dass es oft gar keine Kostengründe sind, die den Wechsel auslösen. Die hohe Stabilität der Open-Source-Programme und ein guter Schutz gegen unberechtigte Zugriffe sind die wichtigsten Gründe, weshalb sich Unternehmen für den Einsatz von Open-Source-Software entscheiden, fand das Berliner Wirtschaftsforschungsunternehmens Berlecon Research in einer Untersuchung mit dem Titel "Einsatz von Open-Source-Software in Unternehmen und öffentlichen Institutionen: Ergebnisse aus Deutschland, Schweden und Großbritannien" heraus. Wegfall von Lizenzgebühren Direkt danach kommen aber schon die direkten Kosteneinsparungen durch den Wegfall von Lizenzgebühren. "Diese Motivation für den Einsatz von Open-Source-Software gewinnt derzeit noch an Bedeutung," erklärt Thorsten Wichmann, Geschäftsführer von Berlecon Research . "Die aktuelle wirtschaftliche Lage sowie Änderungen der Lizenzbedingungen für Microsoft-Produkte lassen Unternehmen mögliche Alternativen zur verbreiteten Kombination Windows und Microsoft Office ernsthaft durchrechnen." Das, was viele Programmierer an Open Source schätzen, nämlich eben die Offenheit und Modifizierbarkeit des Quellcodes, spielt dagegen in den Unternehmen nur eine sehr untergeordnete Rolle, wie die Berliner herausfanden. Umgekehrte Sicht Fast genau umgekehrt sieht es eine andere Studie, die Mitarbeiter des IT-Unternehmens Unisys für die EU erstellten. Dort ging es um die Frage, wie die EU-Verwaltungen das Open-Source-Modell beim Aufbau eines Software-Pools nutzen könnten. Wenn es um den Austausch von Programmen zwischen EU-Verwaltungen und ihre Anpassung an die jeweiligen Länder gehe, sei die Hinwendung zu Open-Source etwas ganz natürliches, heißt es dort wenig überraschend. Denn erst der freie Programmcode ermögliche es ja, die Programme anzupassen. Kostenersparnis ist zunächst ein untergeordneter Punkt, da viele Programme erst noch erstellt werden müssten. Langfristig werden aber auch dort Einsparungen erwartet. Die Autoren fordern ein auf sechs Jahre angelegtes Entwicklungsprogramm und die Bereitstellung von sechs Millionen Euro für dieses Vorhaben. Die Studie soll in der EU zwar begrüßt worden sein, Beschlüsse gab es zunächst aber wohl noch nicht. (Von AP-Korrespondent Klaus Gürtler)