Wien - Zumindest polizeiintern soll die "Spitzelaffäre" schonungslos aufgeklärt werden. Sechs Beamte und FPÖ-Polizeigewerkschafter werden sich vor der Disziplinarkommission verantworten müssen. Fünf Polizisten bleiben weiter vom Dienst suspendiert. Das entschied am Montag und Dienstag die Disziplinarkommission der Wiener Polizei, berichtet die "Presse" in ihrer Mittwoch-Ausgabe. Damit bekomme die längst totgesagte Spitzelaffäre eine neue Wendung. Während der Staatsanwalt die Ermittlungen gegen die Beamten im Mai eingestellt hat, wolle man es bei der Polizei genauer wissen, heißt es in dem Bericht. Bei der Exekutive sei man nicht an die Entscheidung des Gerichts gebunden. Auch wenn die Vorwürfe gegen die Polizisten strafrechtlich ohne Konsequenzen bleiben, könnten sie disziplinäre Folgen haben. Schlimmstenfalls droht den Beamten die Entlassung. Noch ein Aspekt sei bei der Entscheidung der Disziplinarkommission interessant. Während sich Josef Kleindienst im Strafverfahren als Angeklagter vor Gericht wiedersieht, wird er von der Disziplinarkommission als Zeuge eingestuft. Kleindienst und der frühere Wiener FP-Landesparteisekretär Michael Kreißl müssen sich ja vor Gericht wegen Missbrauchs der Amtsgewalt bzw. Anstiftung zum Amtsmissbrauch verantworten. Für Matthias Prückler von der Kanzlei Baumgärtel, Rechtsvertreter der beschuldigten Polizisten, ist die Entscheidung der Disziplinarkommission "nicht nachvollziehbar". Prückler berichtete am Dienstag auf Anfrage der "Presse" von dieser Entscheidung. "Wir werden dagegen Einspruch erheben", kündigte er an. "Einem Disziplinarverfahren sehen wir mit Gelassenheit entgegen." Nun müssen die Disziplinaroberkommission und die Berufungskommission innerhalb von drei Monaten entscheiden. Der Spruch der beiden weisungsfreien Kommissionen darf mit Spannung erwartet werden. Schließlich sind die beiden Behörden im Bundesministerium für öffentliche Leistungen und Sport angesiedelt, dem Ressort von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F). (APA)