Wien - Sprachkurse im Ausland abzuhalten, war für das Außenministerium einst eine eher unerquickliche Angelegenheit. Denn die Kulturinstitute mussten die Einnahmen direkt ans Finanzministerium abführen, was die Motivation, Umsatz zu machen, nicht unbedingt förderte. Zudem stellten sich Mitte der 90er-Jahre arbeitsrechtliche Probleme ein, weil Lehrer eine Anstellung nach österreichischem Recht erwirken wollten. 1997 wurden daher die Sprachkurse ausgegliedert: Das Außenministerium gründete das "Österreich Institut", was damals als "Kindesweglegung" kritisiert wurde. Doch mitnichten: Das Konzept, an dem Botschafter Gerhard Rainer im Auftrag des damaligen Außenministers Alois Mock bereits seit 1990 (als die Goethe-Institute eine Ostoffensive starteten) gearbeitet hatte, ging auf. Die Zahl der Teilnehmer steigt seit 1998 stetig, wie auf der Grafik ersichtlich, und der Subventionsbedarf sank drastisch.
Grafik: STANDARD
Man halte nun, erklärt Geschäftsführerin Brigitta Ortner, bei einem Eigenfinanzierungsgrad von fast zwei Drittel (inklusive aller Overheadkosten), womit der Plafond mehr oder weniger erreicht sei. Denn die Goethe-Institute würden nur rund 40 Prozent der Ausgaben einspielen. Derzeit bietet das Österreich Institut Sprachkurse in Warschau, Krakau, Brünn, Bratislava und Budapest an. Ginge es nach Brigitta Ortner, würde ein Expansionskurs gefahren und pro Jahr eine neue Filiale aufgebaut werden. Schließ-lich erhielte Österreich, so eine Umwegrentabilitätsstudie, für jeden investierten Euro deren 2,24 zurück.

Doch diesem Plan machte die Regierung mit ihrem Sparprogramm einen Strich durch die Rechnung: Statt die Subvention auf dem Stand von 2002 (rund 900.000 Euro) einzufrieren, wie Ortner plädierte, soll sie bis 2006 sukzessive auf 683.000 Euro reduziert werden. Da die jährlichen Kosten für die Sprachkurse vor der Ausgliederung bei 1,13 Millionen Euro lagen, bedeutet dies eine Subventionskürzung um knapp 40 Prozent. Mittelfristig können somit nur zwei neue Institute gegründet werden. Wo, weiß Ortner noch nicht. Anbieten würden sich Kiew, Bukarest, Sofia, Laibach genauso wie Athen, Brüssel oder Madrid.

Unterrichtet wird von den derzeit rund 120 Lehrern die "österreichische Varietät der Standardsprache Deutsch", wobei die Teilnehmer auf den EU-Beitritt vorbereitet würden. Man lernt also nicht nur die Marille kennen, sondern auch die Aprikose. Die Kurse (60 Stunden) kosten je nach Standort zwischen 113 Euro (in Brünn) und deren 207 (in Warschau). Die Preise, die zum Teil über jenen der anderen Anbieter lägen, seien gerechtfertigt, sagt Ortner. Weil man auf hohe Qualität achte.

So wurde ein eigenes Lehrbuch herausgebracht. Und so wird viermal im Jahr eine respektable Zeitung samt Aufgabenteil herausgebracht, die ein bewusst differenziertes Österreichbild vermittelt: Der Spiegel druckt die wichtigsten Artikel der heimischen Tageszeitungen ab, das Abo inklusive Übungs-CDs kommt auf 36 Euro. Er wird mittlerweile auch von vielen Auslandsösterreichern erworben, weil er den besten Überblick biete. (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Printausgabe, 17.7.2002)