Erinnerungen steigen auf. Als sich die Präsidenten der damaligen Supermächte USA und UdSSR, Carter und Breschnew, 1979 in Wien zur Unterzeichnung des SALT-Abrüstungsvertrages trafen, wurden sie von den Gattinnen begleitet, was einen Empfang auch durch die Gattinnen des österreichischen Präsidenten (Kirchschläger) und Kanzlers (Kreisky) bedingte. Deren Hüte erweckten damals den Eindruck, als müssten sie dringend ebenfalls in die Abrüstungsprotokolle aufgenommen werden. Ähnliche Gedanken schossen einem durch den Kopf beim Anblick der Kopfbedeckungen Marke Wagenrad, die die elegante Diplomatin und Präsidentengattin Margot Klestil-Löffler zum viertägigen Besuch des japanischen Kaiserpaares trug. Jedenfalls war der Besuch auch ein großer Erfolg für Klestil und zerstreute viele Vorurteile über die Steifheit und Distanz des japanischen Kaisertums, das ja seine ungebrochene Dynastie einige Tausend Jahre zurückverfolgt und die Sonnengöttin Amaterasu als direkte Urahnin annimmt. Der Kaiser jedenfalls schien nichts an dem herzlichen körperlichen Kontakt zu finden, dem er durch Klestil immer wieder ausgesetzt war: Heute darf man auch einen Tenno um die Schultern fassen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.7.2002)