Wien/Spielberg - Beim heimischen Elektromotorenhersteller ATB Austria Antriebstechnik werden ein halbes Jahr nach der Übernahme durch private Investoren Pläne für Firmenzukäufe gewälzt. "Wir schauen uns ein Unternehmen in einem Nachbarland an", bestätigten dieser Tage die beiden Eigentümer und Vorstände, Mirko Kovats und Christian Schmidt.Dem Vernehmen nach liegt das mögliche Kaufobjekt in Deutschland, stellt laut Kovats "mittelgroße Elektromotoren" her, die das Programm von ATB ergänzen würden. Die beiden sind auch weiteren Akquisitionen nicht abgeneigt, so sich ein lohnendes Objekt findet. "Angeboten wird einiges", so Kovats. Der Industrielle ist außer an ATB auch am Salzburger Werkzeugmaschinenhersteller Emco beteiligt, weiters an der Magdeburger Maschinenfabrik sowie am tschechischen Fräsmaschinenproduzenten Intos. Sein Name wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als er sich als Interessent an einer Übernahme des Traiskirchner Semperit-Reifenwerkes vom deutschen Konzern Continental ins Spiel brachte. Semperit sei aber kein Thema mehr für ihn: "Conti hat niemals ernsthaft verhandelt. Ich bin aber nach wie vor überzeugt, dass es funktionieren hätte können", sagt Kovats heute. "Nicht gerade eine Jubelmeldung" Bei der im Vorjahr mit vielen Mühen aus der "Pleiteholding" GBI herausprivatisierten ATB liegen nun die Halbjahreszahlen 2002 vor: Der Umsatz ging um elf Prozent auf 45,8 Mio. Euro zurück, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um 62 Prozent auf 542.000 Euro. "Nicht gerade eine Jubelmeldung", gesteht Finanzchef Schmidt ein. Doch man sei in der Sanierung im Plan, denn im Vorjahr brach alles weg: Umsatz, Ertrag (ein Minus von 478.000 Euro) und auch die Aufträge. Grund war vor allem die schwächere Nachfrage im deutschen Maschinenbau. Ende des Jahres soll aber der Turnaround vollzogen sein. Die ATB, vor 80 Jahren als Tochter des Bauknecht-Konzerns gegründet, war jahrelang in den roten Zahlen. Die Mitarbeiterzahl sank um 15 Prozent auf 660 (Vollzeitäquivalente). Bis Ende 2002 sollen es 620 sein. Der deutsche Teil der ATB, das Werk Welzheim, notiert noch an der Stuttgarter Börse, der "squeeze out" ist aber fix. In Wien soll die ATB Austria am Parkett bleiben, eine Kapitalerhöhung binnen fünf Jahren sei möglich. (szem, DER STANDARD, Printausgabe 18.7.2002)