Wien - Der Euro macht tatsächlich vieles teurer. Zum Beispiel das Seidel Bier und das Schnitzel. Ein Blick auf die Speisekarte im Restaurant beweist dies sogar, denn die runden Europreise ergeben aberwitzige Schilling-Umrechnungen.Statistisch messbar sind die Euro-Aufrundungen jedoch nicht, sagt Statistikexperte Reinhold Russinger von der wirtschaftspolitischen Abteilung der Arbeiterkammer. Euroinduzierte Preiserhöhungen seien schlicht nicht herausrechenbar. Auch für Manfred Pollan vom Wifo ist nicht der Euro schuld: "Die Preise steigen in vielen Bereichen laufend und langfristig im Ausmaß der Lohnsteigerungen." Darin seien freilich auch Rundungseffekte durch den Euro enthalten und die besonders schwankenden "Auslandspreise", also saisonbedingte Verteuerungen zwischen Haupt- und Nachsaison. Die Inflationsrate in Österreich ist im Monat Juni auf 1,7 Prozent gesunken. Damit lag die Teuerung auf dem niedrigsten Wert seit Jahresbeginn und gleich hoch wie Anfang 2000. Gegenüber dem Vormonat Mai sind die Preise durchschnittlich um 0,1 Prozent angestiegen. Teure Urlaube Empfindlich teurer gegenüber dem Vorjahr wurden laut Statistik Austria die Urlaube: Flugpauschalreisen verteuerten sich im Juni im Jahresabstand um acht Prozent, Städtepauschalreisen um neun. Tiefer in die Tasche greifen musste man auch für Kfz-Versicherungen, Friseure und Kosmetiksalons, die um 4,9 beziehungsweise je fünf Prozent teurer wurden. Die Teuerung in Restaurants und Hotels betrug gar 3,4 Prozent, auf Erziehung und Unterricht entfiel aufgrund der im Oktober 2001 eingeführten Studiengebühren (plus 29,9 Prozent) ein Inflationsbeitrag von einem Zehntel. Die Preise von Nahrungsmitteln sind im Jahresvergleich nur leicht (minus 0,1 Prozent) zurückgegangen: Gemüse wurde um acht, Kaffee um zehn Prozent billiger, Fleisch um ein Prozent, was die teilweise hohen Preissteigerungen bei Brot (vier Prozent), Milchprodukten (sieben bis acht Prozent) und Obst (plus zwölf Prozent) wieder kompensierte. Deutliche Verbilligungen gab es bei Treibstoffen: Diesel verbilligte sich im Juni um sechs Prozent, Normal- und Superbenzin je um neun Prozent. (APA, ung, DER STANDARD, Printausgabe 18.7.2002)