Wien - Der europäische Luftfahrtkonzern EADS, der demnächst die Eurofighter-Verhandlungen mit dem österreichischen Verteidigungsministerium aufnimmt, hat am Mittwoch größtmögliche Transparenz für den Deal und die damit verbundenen Gegengeschäfte versprochen. Es sei bekannt, dass nirgendwo so viel gelogen werde wie bei Grabreden und Gegengeschäften, "wir aber wollen Transparenz in den Vorgang hineinbringen", beteuerte Aloysius Rauen, Chef der EADS-Militärflugzeugsparte in Wien. "Wir glauben, dass wir die 200 Prozent (Gegengeschäftsvolumen, Anm.) sehr solide erfüllen können." Den tatsächlichen Kaufpreis für die 24 Jagdflugzeuge konnte Rauen noch nicht nennen. Dieser hänge auch vom genauen Lieferumfang und der Finanzierung ab, hieß es. Das Verteidigungsminsterium hat bisher von 1,7 bis 1,8 Mrd. Euro gesprochen, in Medienberichten ist von bis zu 2,4 Mrd. Euro die Rede. Rauen, der mit sechs weiteren EADS-Managern vor die Presse trat, stellte in Abrede, dass es sich bei einzelnen der in der Öffentlichkeit diskutierten Projekte um Geschäfte handle, die auch unabhängig von der Beschaffung in Österreich gelandet wären - etwa die Fertigung des neuen Chrysler Jeep Grand Cherokee bei Magna Steyr in Graz. Der Jeep-Nachfolger habe eigentlich in den USA produziert werden sollen, dass überhaupt Verhandlungen geführt würden sei Folge der Eurofighter-Entscheidung, behauptete Rauen. Der Vertrag sei noch nicht fixiert, die Verhandlungen mit Detroit würden aber "sehr erfolgreich" geführt. Insgesamt verspricht die EADS, den Eurofighter-Kaufpreis über 15 Jahre mit 200 Prozent Gegengeschäften zu kompensieren. Abgesichert soll dieses Versprechen durch Pönalen werden, die fällig werden, wenn die Geschäfte nicht zustande kommen. Wenn die Pönalen - wie von österreichischer Seite gefordert - höher ausfallen sollten als die angebotenen 5 Prozent müssten eigentlich die Flugzeuge teurer werden, sagte Verhandlungschef Rainhold Faltlhauser: "Je höher die Pönale, desto höher das Risiko, desto höher der Preis." Offen sei auch noch, wofür überhaupt Pönale gezahlt werden müsse. Bisher lägen Absichtserklärungen für Gegengeschäftsprojekte im Umfang von 2 Mrd. Euro vor, sagte Stephan Moser, "Vice President Industrielle Kooperation". Mit der Unterzeichnung des Kaufvertrags voraussichtlich im Herbst sollen gleichzeitig die ersten Gegengeschäfte endgültig fixiert werden. "Rund eine halbe Milliarde müssten wir bis dahin hinkriegen", meint Moser. Neben diversen Industrieaufträgen will EADS zusammen mit heimischen Banken einen "Business Development Fonds" gründen, der über 15 Jahre ein Geschäftsvolumen von 500 Mill. Euro generieren soll. Es soll sich dabei um einen Risikokapitalfonds für innovative Zulieferprojekte für EADS und deren Mutterkonzerne handeln. (APA)