Wien/Berlin - Die österreichische Schauspielerin Lore Brunner ist im Alter von 51 Jahren in Berlin an Krebs gestorben, teilte die Direktion des Berliner Ensembles am Mittwoch mit. Den künstlerischen Weg teilte die am 2. Oktober 1950 in Kärnten geborene und in Graz ausgebildete Schauspielerin lange Jahre mit dem früheren Burgtheater-Direktor und nunmehrigen Intendanten des Berliner Ensembles, Claus Peymann. Brunner spielte in Stuttgart und in Bochum und folgte Peymann 1986 ans Burgtheater nach Wien, wo sie unter anderem die Elisabeth in Horvaths "Glaube Liebe Hoffnung" und Brechts "Mutter" spielte. Seit Mitte der 90er Jahre lebte Brunner als freischaffende Künstlerin in Berlin. Ihr Debüt feierte sie 1973 in Basel, als Christine in Schnitzlers "Liebelei". Am Staatstheater Stuttgart hatte sie in Folge mit dem "Kätchen von Heilbronn" große Erfolge, in Bochum war sie in Peymanns Inszenierung der "Hermannsschlacht" von Kleist zu sehen. Brunner galt als Brecht-Spezialistin und ebenso als Uraufführungs-Schauspielerin, die unter anderem in Thomas Braschs "Lieber Georg" auftrat. Eine besondere Beziehung hegte Brunner zum Werk von Karl Kraus, dessen "Die letzten Tage der Menschheit" sie in einem Vortrags-Marathon an 13 Abenden am Schauspielhaus in Bochum vorgetragen hat. Brunner spielte in Manfred Karges "Faust"-Projekt in Weimar und Bremen, in Köln war sie als Frau John in Hauptmanns "Die Ratten" zu sehen. Sie trat in London bei "Mozart und Salieri" und in Paris bei "Faust-Version" auf und ging mit zahlreichen Soloabenden, u. a. mit Werken von Robert Walser und Ingeborg Bachmann, auf Tournee. Zuletzt wurde sie für ihre Rolle der Erzählfigur in Igor Strawinskys "Geschichte vom Soldaten" gefeiert, den beim diesjährigen KlangBogen-Festival geplanten Auftritt in dieser Rolle musste sie schon im Vorfeld wegen ihrer Erkrankung absagen. (APA)