Wien - Die Turbulenzen rund um den "Alkopostler" in Perchtoldsdorf sind noch nicht abgeebbt. Genaue Zählungen ergaben rund 24.000 Sendungen - das meiste davon war Werbematerial, die der jetzt 50-jährige Helmut T. in seiner Wohnung gehortet hatte, darunter waren rund 700 nicht zugestellte Briefe.Teile der Post stammt aus dem Jahr 1996 Diese zum Teil noch aus den Jahren 1996 bis 1998 stammenden Poststücke würden jetzt gemeinsam mit einem Entschuldigungsschreiben zugestellt, erklärte Postpressesprecher Johannes Angerer auf APA-Anfrage. Der Postler hat nie Zeitungen gehortet Zu Helmut T. sagte Angerer, dieser sei ungeachtet seiner Alkoholprobleme offenbar "gezielt" vorgegangen. Er habe über Jahre hinweg hauptsächlich Poststücke gehortet, bei denen die Gefahr des entdeckt Werdens gering war. So hätte er niemals Zeitungen unterschlagen, die dem Empfänger am ehesten abgehen würden, und auch nie fünf Tage hintereinander gefaulenzt: Auch dies wäre den Adressaten aufgefallen. Die Absender - nicht die Empfänger - können die Portogebühren zurückfordern Damit ist es jedoch nicht getan. Die Absender - nicht die Empfänger - können die Portogebühren zurückfordern, allerdings müssten sie sich bei der Post melden, da es sich um eine "Holschuld" handelt, sagte Angerer. Die Post haftet übrigens nicht nur bei eingeschriebenen Briefen und Paketen, wenn diese nicht innerhalb von fünf Tagen angekommen sind, sondern auch bei nicht eingeschriebenen Briefen. In jedem Fall liegt die Beweislast beim Absender, und dies sei in letzteren Fällen "kompliziert". Gegen T. wurde Angerer zufolge bereits ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Der pensionierte Postler könnte "schlimmstenfalls" seine Pension verlieren. Verwaltungsaufwand Dass der Verwaltungsaufwand vor der Rückzahlung von beispielsweise sieben Schilling für einen von T. unterschlagenen Brief in keinem Verhältnis zu dieser Summe steht, ist dem Postsprecher klar. Aber: "Der Rechtsanspruch besteht ..." Die jüngst gehäuften Beschwerden über verspätet eingetroffene Briefe sind laut Angerer auf die Umstellungsschwierigkeiten bei der Inbetriebnahme des neuen Briefzentrums Ost zurückzuführen. Im Moment gebe es "schlechtere Laufzeiten als gewohnt", aber "wir wissen davon": Es gelte, die Fehlerquellen aufzudecken und abzustellen. Dennoch würden im Großraum Wien 85 Prozent der Sendungen am nächsten Tag zugestellt werden, beim Vollbetrieb des gesamtösterreichischen Logistikkonzeptes ab Herbst würden 95 Prozent angepeilt, aber dies würde "noch etwas dauern". Disziplinarverfahren Der Postombudsmann Herbert Stadlbauer wird jährlich etwa 20.000 Mal kontaktiert, wobei es sich allerdings nicht nur um Beschwerden über die Postzustellung handle, sagte Angerer. Stadlbauer werde auch mit Anfragen zur - selbstständigen - Telekom konfrontiert oder wegen unpünktlicher Postbusse angesprochen. Auch Fragen "allgemeiner Art" würden an ihn herangetragen. Oft liegt nur ein gelber Zettel im Postfach - ein Zustellungsversuch wurde nie gemacht Zu den Beschwerden über zu spät zugestellte Parten oder Einladungen sagte Angerer, diesen müsste man individuell nachgehen. Es sei auch bekannt, dass Paketzusteller in Einzelfällen lediglich die gelben Verständigungszettel in den Briefkasten legen, ohne zuvor einen Zustellungsversuch zu machen, aber "das darf nicht sein und gehört abgestellt".(APA)