Nach dem Führungswechsel wird die Deutsche Telekom neu ausgerichtet. Telekom Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus sagte am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin, Hintergrund für den Wechsel sei "ein gewisser Vertrauensverlust" in Konzernchef Ron Sommer und die Notwendigkeit einer "Neuausrichtung" der Telekom insgesamt. "Die Stichworte sind: Kostensenkungen, Qualitäts- und Effizienzsteigerung und Schuldenabbau durch ein sehr gutes operatives Geschäft, aber auch der Verkauf der Kabelnetze", sagte Winkhaus. Am Dienstag war der 72-jährige Helmut Sihler für eine Übergangszeit von bis zu sechs Monaten zum Nachfolger des zurückgetretenen Konzernchefs Sommer ernannt worden. Sein Stellvertreter wurde Technik-Vorstand Gerd Tenzer. CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz sagte im Deutschlandfunk, Bundeskanzler Gerhard Schröder stünde jetzt "auf einem rauchendem Trümmerfeld". Er warf dem Finanzministerium massiven Einfluss auf den Aufsichtsrat vor. "Es ist ein Desaster, was da mit der Telekom angerichtet worden ist", sagte Merz. Nach Ansicht des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle hat die rot- grüne Regierung die Telekom zum parteipolitischen Spielball gemacht. "Die Bundesregierung trägt die Verantwortung für eines der größten Desaster der deutschen Wirtschaftsgeschichte", erklärte Westerwelle in Berlin. Hunderttausende Arbeitnehmer, Millionen Aktionäre und der deutsche Wirtschaftsstandort hätten dadurch Schaden genommen. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, Ludwig Stiegler, fühlte sich bei dem Führungswechsel an eine Seifenoper erinnert. Im InfoRadio Berlin-Brandenburg sagte er, auch die Bundesregierung müsste als führender Aktionär Mitverantwortung übernehmen. "Ich glaube aber dem Finanzminister Hans Eichel, wenn er sagt: Die Initiative zu dieser Operation sei nicht von der Bundesregierung, sondern von anderen ausgegangen." Gleichzeitig verwies Stiegler auch auf die Rolle der Opposition: "Dann kam in der letzten Parlamentsdebatte vor den Ferien das blöde Gerede von Friedrich Merz, wo er die Telekom schon als Sanierungsfall hingestellt hat. Das ist natürlich bei einem internationalen Konzern, der an der Börse gehandelt wird, geradezu Gift" Sihler wird dem Unternehmen nach Ansicht der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nicht weiter helfen können. "Er ist die pure Interimslösung. Und Interimslösung heißt ja immer Stillstand", sagte der DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker in einem dpa-Gespräch in Düsseldorf. Er sehe den Konsolidierungskurs kritisch. "Wie man in einem halben Jahr einen konsequenten Schuldenabbau hinkriegt, will ich mal sehen", so Hocker. Der Großaktionär Bund stünde jetzt in der Pflicht, dem Unternehmen mit einer Kapitalerhöhung unter die Arme zu greifen.(APA/dpa)