Wien - Die sofortige Freilassung aller noch wegen dem Homosexuellen-Paragrafen 209 Strafgesetzbuch einsitzenden Personen bis 31. Juli verlangte die HOSI Wien am Donnerstag. In einem Schreiben an Justizminister Dieter Böhmdorfer (F) wird besonders auch die Freilassung und Wiedergutmachung für jene Menschen verlangt, die wegen Par. 209 in eine so genannte Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen wurden. Die Aufhebung des Par. 209 wurde vom Nationalrat bereits beschlossen, nach der Absegnung im Bundesrat wird sie Ende Juli/Anfang August in Kraft treten. "Sollte am 1. August auch nur eine einzige Person noch wegen Par. 209 in einer Strafvollzugsanstalt gefangen gehalten werden, so wird sich die HOSI Wien durch entsprechende Aktionen um Hilfe an die internationale Staatengemeinschaft und internationale Menschenrechtsorganisationen wenden", betonte Obfrau Helga Pankratz. Als "Justiz- und Psychiatrieskandal ersten Ranges" kritisierte HOSI Wien-Generalsekretär Kurt Krickler, dass - trotz Streichung der Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel, also von der Liste der "Krankheiten", im Jahr 1991 - immer noch Homosexuelle im Zuge von 209er-Verfahren in Anstalten für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden seien und man dort versucht habe, Homosexualität zu therapieren. Die HOSI Wien fordert für diese Menschen "Wiedergutmachung": Eine finanzielle Entschädigung, aber auch die lückenlose Überprüfung sämtlicher derartiger Einweisungen samt Konsequenzen für die verantwortlichen Gutachter. (APA)