Bregenz/Linz - In Vorarlbergs Hochstamm-Kulturen tobt der Feuerbrand. "Eine Katastrophe", sagt Gebhard Bechter, Leiter des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer, über die meldepflichtige Pflanzenkrankheit. Er fordert die Gemeinden auf, mit "Elan an die Bekämpfung zu gehen". Zu lange habe man auf die Meldedisziplin der Baumbesitzer vertraut und dabei übersehen, "dass es an der Sensibilität fehlt".An 17.000 Bäumen wurde die Krankheit festgestellt Betroffen von der durch Bakterien verursachten Krankheit ist Vorarlberg seit 1993, kritisch wurde die Situation vor zwei Jahren. Seit dem vorigen Sommer sind Obstbauern im Alarmzustand. An 17.000 Bäumen wurde die Krankheit festgestellt. Erste Maßnahmen brachten nicht den gewünschten Erfolg. Am Dorfrand glost der Scheiterhaufen Nun ist die Axt am Baum. In Mostobstgemeinden wie Höchst im Rheindelta brummen tagtäglich die Motorsägen. Entdecken die Feuerbrand-Beauftragten kranke Bäume, wird sofort gehandelt, auch ohne vorherige Information der Besitzer. Am Dorfrand glost der Scheiterhaufen, denn vom Feuerbrand befallene Pflanzenteile müssen verbrannt werden. Da es an Arbeitskräften mangelt, soll nun auch das Bundesheer zum Kahlschlag eingesetzt werden. Schuld ist das feuchtwarme Wetter Auch in Oberösterreich haben sich heuer die Feuerbrandfälle rapide vermehrt. Schuld ist das feuchtwarme Wetter, ist Heimo Strobl, Obstbaureferent der Landwirtschaftskammer, überzeugt. Besonders im Mühlviertel sind Tausende Bäume betroffen, genaue Zahlen kann er aber nicht nennen, da täglich stapelweise neue Meldungen kommen. Gegen die Ausbreitung ist man machtlos Gegen die Ausbreitung der Seuche ist man laut Strebl fast machtlos. In Deutschland war zwar ein Pflanzenschutzmittel verfügbar, das aber wieder vom Markt genommen wurde, nachdem Rückstände in Honigproben nachgewiesen wur- den. Die Landwirtevertreter würden einen Einsatz des Mittels dennoch befürworten, fürchten aber, dass die Politik erst bei größerem wirtschaftlichem Schaden aktiv wird. In Oberösterreich will man daher einen anderen Weg gehen: Im Herbst sollen in einem Testgebiet 30 bis 40 verschiedene Apfelsorten gepflanzt werden, um festzustellen, ob es resistentere Arten gibt. Auf Erfahrungen aus anderen Gebieten kann man sich dabei nicht verlassen, erklärt der Experte: Denn die Bakterien können sich erstaunlich schnell an das lokale Klima anpassen. (jub, moe/DER STANDARD, Printausgabe 18.07.2002)