München - Im Mordfall Günther Kaufmann sucht die Kriminalpolizei nach der Festnahme von zwei mutmaßlichen Komplizen einen vierten Tatbeteiligten. Genetische Fingerabdrücke unter anderem auf der Innenseite des Klebebandes, mit dem das Opfer gefesselt war, stammen nach einer DNA-Analyse nicht von den zwei am vergangenen Wochenende verhafteten Männern. Dies gab der Vorsitzende des Schwurgerichts München I am Mittwoch bekannt. Der Leitende Oberstaatsanwalt Manfred Wick sagte, der Tatverdacht gegen die beiden Inhaftierten bestehe aber nach wie vor. Kaufmann bleibt bei Unfall nach einem Streit Der 55 Jahre alte Schauspieler Kaufmann hat laut Anklage seinen 60 Jahre alten Steuerberater am 1. Februar 2001 erstickt, um einen Darlehensbetrug seiner mittlerweile gestorbenen Frau zu vertuschen. Kaufmann führt den Tod des Opfers dagegen auf einen Unfall zurück. Er sei bei einem Streit mit seinem Gewicht von 117 Kilo auf den Mann gefallen, dem dadurch die Luft abgeschnürt wurde. Kripo drängt auf Nennung des unbekannten vierten Mannes Gegen diese Version sprachen von vornherein Tatort-Spuren, die auf mindestens zwei Mittäter hindeuten. Das Schwurgericht ließ während des laufenden Prozesses nachermitteln. Ein Hinweis führte auf die Spur von zwei Verdächtigen. Nach derzeitigem Ermittlungsstand sei Kaufmann nicht wegen Mordes zu verurteilen, sondern wegen räuberischer Erpressung mit Todesfolge. Dieses Verbrechen ermögliche eine zeitlich begrenzte Freiheitsstrafe, jedoch nur bei einem "nachvollziehbaren Geständnis" mit der Nennung des noch unbekannten vierten Mannes. Das Schwurgericht geht nach dem gegenwärtigen Untersuchungsstand davon aus, dass Kaufmann mit Hilfe eines "Rollkommandos" den Steuerberater zum Verzicht auf das von seiner Frau erschwindelte Millionendarlehen zwingen wollte und es dabei unbeabsichtigt zur Tötung des Opfers kam. Der Prozess wird am 24. Juli fortgesetzt.(APA)