Salzburg - Als "schockierend" bezeichnet US-Anwalt Ed Fagan in einem Schreiben an die Bezirksrichterin in New York die Vorgänge beim Kaprun-Prozess in Linz vergangener Woche. Beweismittelbeseitigung Es sei entdeckt worden, "dass sich bestimmte angeklagte Firmen, einschließlich Gletscherbahnen Kaprun AG ('GBK'), Swoboda und Siemens, in der Angelegenheit, die vor Euer Ehren anhängig ist, mit gewissen österreichischen Regierungsbeamten zu einer Handlung verabredeten und/oder tatsächlich handelten, um Beweismittel, die mit der Tragödie vom 11. November 2000 in Zusammenhang stehen, zu beseitigen, auszutauschen, abzuändern oder dem Gericht vorzuenthalten", so Fagan. "Konkret: Es ist bestätigt worden, dass die angeklagten Firmen GBK, Swoboda und Siemens in Zusammenarbeit mit gewissen Regierungsbeamten in Österreich uneingeschränkten Zugang zu dem Zug, dem Tunnel und Beweismitteln hatten, dass sie gewisse Beweise entfernten und änderten, dass sie Fotos machten und sonstige Beweise sammelten und dass sie dann alle diese Beweise den österreichischen Richtern vorenthielten, die mit der strafrechtlichen Verfolgung der strafbaren Aspekte der Schadensersatzklagen betraut sind", stellte der US-Anwalt fest. Verwicklungen "Als die Kläger dem Gericht mitteilten, österreichische Beamte seien in eine Konspiration verwickelt, um Beweismittel zurückzuhalten oder zu zerstören, beschuldigten die angeklagten Firmen Siemens AG und Siemens Corp. die Kläger, Beweise zu erfinden, indem sie: unbegründete Behauptungen aufstellten, dass die österreichischen Untersuchungsbehörden und Beamte, die mit der Kaprun Tragödie zu tun haben, entweder lügen und/oder in eine Konspiration verwickelt sind, um wichtiges Beweismaterial zurückzuhalten und/oder zu zerstören, Beweismaterial, das von den Untersuchungsbeamten der US amerikanischen Armee über die amerikanischen und anderen Opfer entwickelt und zur Verfügung gestellt wurde." "Der Brief der Kläger an das Gericht vom 4. Juni 2002, gehöre eher in einen Film von Oliver Stone als an einen Gerichtshof. Die Kläger gäben keinen Grund dafür an, warum diese ungenannten österreichischen 'Untersuchungsbehörden und Beamten' irgendein Interesse daran haben könnten, ihre eigene Untersuchung des schlimmsten Unfalls in der Nachkriegsgeschichte Österreichs zu hintertreiben oder 'die Rechte der amerikanischen Opfer zu missachten'", heißt es in dem Schreiben. "Es sollte inzwischen deutlich geworden sein, dass die Unterlagen der angeklagten Firma Siemens nicht nur Tatsachen falsch darstellen, sondern sie sind offensichtlich auch konzipiert worden, um das US Gericht zu verleiten, den Fall an einen Ort zu überweisen, wo den Opfern keine Gerechtigkeit widerfahren wird. Die schockierenden Enthüllungen vom 11. Juli 2002 unterstreichen das, was die Kläger die ganze Zeit schon sagten. Das US Gericht kann sich nicht auf die Integrität der österreichischen Justiz verlassen, um die Interessen der Opfer der Kaprun Tragödie zu schützen. Die Bedeutung der Enthüllungen vom 11. Juli 2002 wird noch brisanter durch die vorhergehenden Berichte, die wir diesem Gericht bereits vorgelegt haben, und zwar einerseits über den Ausschluss der persönlichen Vertreter der Kläger von der Strafgerichtsverhandlung in Österreich und andererseits über Unterlagen der Untersuchungseinheiten des US Militärs, die ebenfalls in den Gerichtsunterlagen in Österreich 'fehlten'", so Fagan. "Hier handelt es sich nicht um einen Film von Oliver Stone. Hier geht es um einen Gerichtsfall, der eine schwere Katastrophe betrifft und bei einem Bezirksgericht in den Vereinigten Staaten anhängig ist. Es sieht nun so aus, dass der rührende Angeklagte Siemens und andere sich mit der Entfernung, Abänderung, Zerstörung und Vorenthaltung von Beweismaterial befasst haben, das für den Fall der Kläger wichtig ist. Daher sollte den Darlegungen und Aussagen, die von der angeklagten Firma Siemens und ihren Experten gemacht wurden, um ihren Antrag zu unterstützen, den Fall auf Grund von forum non conveniens abzuweisen, keine Bedeutung beigemessen werden. Ihrem Antrag stattzugeben würde die angeklagten Firmen Siemens und andere für ihre Verletzung der Beschlüsse dieses Gerichtes noch belohnen und der Aussicht der Kläger, jemals eine faire Gerichtsverhandlung, geschweige denn Zugang zu Beweismitteln, die ihre Ansprüche unterstützen, zu bekommen, nicht wiedergutzumachenden Schaden zufügen", schreibt der US-Anwalt.(APA)