Wien - Nach der Entscheidung vor zwei Wochen, dass Österreich den Eurofighter von EADS kaufen wird, schien alles klar zu sein. Nein, ist es nicht: Weder die Zahl der Flugzeuge noch ihr Preis ist wirklich fixiert. Gerechnet und verhandelt wird jetzt noch einmal. Shakehands von Verteidigungsminister Herbert Scheibner und EADS-Manager Aloysius Rauen unter einem 300 Kilo schweren Eurofighter-Modell. Dann Pressekonferenzen, Interviews, Essen mit Meinungsbildnern - bei EADS weiß man, dass man gute Stimmung machen muss, wenn man ein Geschäft machen will. Und dass es stets jemanden gibt, der einem kritisch auf die Finger schaut: Schließlich kommen die Spitzenmanager des Eurofighter- Projekts aus Deutschland, Rauen selber hat seinerzeit die Verhandlungen mit der deutschen Regierung geführt. Auch in Deutschland war das (zunächst "Jäger 90" genannte) Projekt äußerst umstritten, der deutschen Öffentlichkeit erschien es als zu teuer. "So gesehen agieren wir hier in einem geradezu vertrauten Umfeld", sagt Rauen im STANDARD-Gespräch. Am Mittwoch gab News bekannt, dass 48 Prozent der Wahlberechtigten in einer Gallup-Umfrage erklärt hätten, das Volksbegehren gegen die Abfangjäger unterschreiben zu wollen. SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer zählt sich zwar nicht zu den Unterstützern - Politiker von SPÖ und Grünen haben aber immer wieder erklärt, dass sie nach einer Regierungsübernahme aus dem Vertrag aussteigen wollten. Wird es so eine Exit-Klausel im jetzt Detail für Detail auszuhandelnden Kaufvertrag geben? "Exit-Klausel? Nee, das gibt’s normalerweise nicht", sagt Rauen - und so sehr Österreich als erster Exportkunde für den Eurofighter ein Sonderfall sein mag: Einen Vertrag mit Hintertürchen wird man nicht abschließen. Rauen: "Wenn jemand aus einem Vertrag rauswill, dann muss er neu verhandeln und Einvernehmen herstellen." Aber warum sollte man denn überhaupt aus so einem Geschäft aussteigen wollen? EADS bemühte sich am Mittwoch, noch einmal all die Fakten aufzuzählen, die für den Eurofighter sprechen: Da ist einmal seine militärische Eignung - schon in der jetzt ausgelieferten Basiskonfiguration kann er alle Luft-Luft-Aufgaben (also die klassische Abfangjagd) erfüllen. Aber das Gerät wird weiterentwickelt, schon verhandelt man mit Deutschland über die nächste Tranche, die auch eine Air-to-Ground-Capability haben wird. Und dann wird es Aufklärungsmodule geben und möglicherweise Entwicklungen für Gefechtsfeldszenarien, die heute noch gänzlich unbekannt sind. All das werde Österreich, wenn es will, zur Nachrüstung bereitstehen, wenn ab 2004 die ersten Flieger zulaufen. Dann die Kosten des Systems. Rauen vermeidet es, Preise zu nennen - verweist aber darauf, dass der Eurofighter (in harten Budgetdiskussionen mit der Bundeswehr) für geringe Life-Cycle-Costs und minimalen Wartungsaufwand entwickelt wurde. Damit gehe es nicht um den Fly-Away-Preis, sondern um ein an sich sparsames System. Nicht fehlen darf der Hinweis darauf, dass dieses System mehr und mehr zum europäischen Standard wird - auch wenn es speziell in Großbritannien Zurückhaltung gegenüber dem "europäischen Projekt" unter "deutscher Führung" gibt. Und schließlich die Gegengeschäfte: Sie sollen nicht nur Geld bringen, sondern Österreich in Zukunft zum Partner machen: "Wir haben in 25 Jahren, seit dem Tornado-Projekt, gelernt zu teilen", Österreich könnte somit voll an künftigen Entwicklungen teilhaben, verspricht Rauen. (cs/DER STANDARD, Printausgabe, 18.7.2002)