Wien - Walter Boltz, oberster Wächter über den freien Strommarkt in Österreich und bald auch oberster Chefkontrollor des liberalisierten Gasmarktes, macht den Haushalten Hoffnung auf günstigere Gasbezüge. Zumindest in Teilen des Landes sollten nach dem 1. Oktober 2002, dem Stichtag für die Totalöffnung des österreichischen Gasmarktes, Einsparungen zwischen 200 und 250 Euro pro Haushalt und Jahr möglich sein, sagte der oberste Energiekontrollor. "Es gibt eine Diskrepanz zwischen den Gaspreisen in den einzelnen Bundesländern - ein Hinweis, dass es Spielraum für Preissenkungen gibt." Boltz verwies auf Tirol, wo ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Gasverbrauch von 1500 Kubikmeter im Jahr derzeit 619 Euro zahlt, ein Grazer Haushalt mit derselben Bezugsmenge aber deutlich mehr, nämlich 859 Euro. Zwischen dem billigsten Anbieter, der Tiroler Tigas, und dem teuersten, den Grazer Stadtwerken, mache die Preisdifferenz 240 Euro pro Jahr aus. Mit den unterschiedlichen Netztarifen lasse sich die Differenz nicht erklären. "Das Gas kommt bei Baumgarten im Burgenland nach Österreich und wird von dort in die anderen Bundesländer weiterverteilt", sagte Boltz. "Die Durchleitung von Gas nach Tirol kann nicht um so viel billiger sein als die Durchleitung in die Steiermark." Auch im Einzugsbereich der Kärntner Kelag und der EVN in Niederösterreich sieht Boltz "Spielraum nach unten". Haushalte in Wien mit Jahresverbräuchen von 1500 Kubikmetern zahlen derzeit 625 Euro pro Jahr und damit deutlich weniger als in anderen Bundesländern. Strompreis bewegt Wie berichtet, hat auch Wirtschaftsminister Martin Bartenstein wiederholt von möglichen Einsparungen im Ausmaß von rund 100 Euro pro Haushalt und Jahr gesprochen. Die Gaswirtschaft stellt dies entschieden in Abrede. Sollten die mit Gaslieferanten wie der russischen Gasprom geschlossenen langfristigen Abnahmeverträge im Zuge der Gasmarktöffnung gekippt werden, könnte sich Gas sogar verteuern, wird gewarnt. In Bewegung bleibt auch der Strompreis. Das neue Ökostromgesetz, mit dem die Förderung der Stromerzeugung aus Kleinwasserkraft, Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbarer Energie bundesweit einheitlich geregelt wird, macht den Strom in Wien und im Burgenland billiger. In allen anderen Bundesländern wird Strom ab kommendem Jahr teurer. (stro, DER STANDARD, Printausgabe 18.7.2002)