Erinnert sich noch jemand an das angebliche Massaker der israelischen Armee in Jenin? Hunderte ermordete Zivilisten habe es gegeben, behaupteten die Palästinenser. Die UNO nahm das so ernst, das sie eine Untersuchungskommission schicken wollte. Nun stellt sich heraus: Israelische Soldaten benutzten in Jenin Kühlwagen zum Schlafen. Palästinensische Beobachter hielten sie für Leichen ihrer Landsleute und so kam das Gerücht in die Welt, die in beachtlichem Ausmaß bereit war, es zu glauben. Das heißt nicht, dass das Vorgehen der Israelis nicht oft außerordentlich hart war und ist. Interessanterweise hat aber nun die sehr kritisch gegenüber Israel eingestellte humanitäre Organisation Amnesty International auch die palästinensischen Selbstmordattentate bewertet. Laut Amnesty sind die Selbstmordattentate nicht als Befreiungskampf zu sehen, sondern als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", die auch unter die Jurisdiktion des neuen Internationalen Strafgerichtshofs fallen. "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" ist ein juristischer Terminus, der erstmals für die Nazi-Völkermordtaten vor allem an den Juden geprägt worden ist. Diese Verbrechen verjähren nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.7.2002)