Der 1949 gegründete Verband der unabhängigen (VdU) sah sich als Interessenvertretung ehe-maliger Nationalsozialisten, Heimkehrer, Heimatvertriebener und politisch Unzufriedener; in letzterer Rolle zeigte er sich 1950, als er zusammen mit der KPÖ den Oktoberstreik auslöste. Die VdU-Führung war eine gemischte Gesellschaft, doch stand dem Parteigründer Herbert Kraus eine Mehrheit "Ehemaliger" und Deutsch-nationaler gegenüber, die mit dem VdU die Traditionen des "Dritten Lagers" im österreichischen Parteienspektrum wieder aufleben lassen wollten. Kraus musste, wie Jahrzehnte Jahre später Heide Schmidt, die Erfahrung machen, dass in Österreich für Liberalismus offenbar kein Platz ist. Nach internen Streitigkeiten erfolgte 1956, mit der Umwandlung des VdU in die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) "die lange vorbereitete ,Machtübernahme' durch einen kleinen Kreis von Rechtsextremisten und ehemaligen Naziführern" (so Kraus). Immerhin versuchte Friedrich Peter, der dem hohen ehemaligen NS-Funktionär Anton Reinthaller als FP-Obmann gefolgt war, trotz seiner einstigen Zugehörigkeit zur Waffen-SS durch eine gemäßigte Haltung die schrumpfende Partei aus ihrer innenpolitischen Isolation zu lösen. Dies führte zur Abspaltung der rechtsextremen NDP Norbert Burgers, die aber bis zu ihrem Verbot (1988) mit FP-Funktionären in enger Verbindung blieb. Wie der VdU, so hielt auch die FPÖ an einer deutschnationalen Ideologie fest. Sie machte aus ihrer Ablehnung einer "österreichischen Nation" kein Hehl, obwohl sich zu dieser nach Stärkung des österreichischen Selbstbewusstseins durch Staatsvertrag, Neutralitätserklärung und Wirtschaftsaufschwung bereits eine Mehrheit der Bevölkerung bekannte. "Volksgemeinschaft" Das im Staatsvertrag festgelegte Anschlussverbot und das Verbot faschistischer und großdeutscher Propaganda versuchte die FPÖ noch im Programm von 1985 so zu umschiffen: "Die bei weitem überwiegende Mehrheit der Österreicher gehört der deutschen Volks-und Kulturgemeinschaft an. Diese Tatsache bleibt bestehen, obwohl sie als Folge eines verhängnisvollen Kapitels deutscher Geschichte in Österreich vielfach verdrängt wird." Bruno Kreisky bot dem FP-Obmann Peter für die Duldung einer SPÖ-Minderheitsregierung 1970 ein minderheitsfreundlicheres Wahlrecht; nach schwedischem Vorbild wollte er eine lang dauernde sozialdemokratische Führungsrolle durch die Option zwischen zwei bürgerlichen Parteien sichern. Die SPÖ-Absolute 1971 verhinderte FP-Hoffnungen auf einen Regierungseintritt, doch 1983 kam dies zum Tragen, als die damals freilich auf liberalem Kurs segelnde FP Norbert Stegers dem Kabinett Sinowatz als Partner in einer "kleinen Koalition" die Parlamentsmehrheit absicherte. Die FP-Funktionärsbasis und wohl auch viele FP-Wähler waren jedoch mit diesem "Linksruck" ihrer Führung keineswegs einverstanden. So kam es 1986 auf dem Innsbrucker Parteitag zur Überrumpelung Stegers und zur Wahl Jörg Haiders. Dieser hatte schon als 16-jähriger Mittelschüler einen Redewettbewerb des Turnerbundes mit dem Referat "Sind wir Österreicher Deutsche?" gewonnen. Noch 1988 nannte er die österreichische Nation in einem ORF-Interview "eine ideologische Missgeburt". Die Erkenntnis, dass Deutschnationalismus in Österreich längst nicht mehr mehrheitsfähig war, veranlasste ihn jedoch zu einem Kurswechsel: Mit dem national-populistischen "Österreich zuerst" wurde die Ausländerfeindlichkeit zum zugkräftigen Hauptkampfmittel gegen die große Koalition. Traditionelle Deutschtümler, die Haider mit auf den Schild gehoben hatten, wurden aus der Partei hinausgeekelt. Weniger zurückhaltend blieb der FP-Chef allerdings bei NS-Sympathiebezeugungen wie der "ordentlichen Beschäftigungspolitik des Dritten Reiches" oder der Einreihung Churchills in die Monstergalerie Hitler/Stalin. Dass dennoch der alte Deutschnationalismus nicht aus den Köpfen so mancher FP-Funktionäre verschwunden ist und die Verbindung zum Nazismus dann nicht weit ist, zeigen die Äußerungen der jüngsten Zeit, die im "einfachen Parteimitglied" stets einen Verteidiger finden. Wie auch anders, sah doch der Kärntner Landeshauptmann (in seiner ersten, abrupt beendeten Funktionsperiode) 1990 "die deutsche Wiedervereinigung in der kleinen Version" verwirklicht. Morgen: Letzter Serienteil - Nation ohne Nationalismus (Manfred Scheuch/DER STANDARD, Printausgabe, 18.7.2002)