Walldorf/New York - Der deutsche Softwarekonzern SAP hat im zweiten Quartal drastische Einbußen im Geschäft mit Beschaffungssoftware hinnehmen müssen. Der Umsatz mit Softwarelizenzen im Bereich SCM (Supply Chain Management) brach um 31 Prozent auf 104 Mill. Euro ein, teilte SAP am Donnerstag im Vorfeld einer Pressekonferenz in New York mit. Erstmals Quartalsverlust Der operative Gewinn vor Sondereffekten fiel bei SAP in den ersten sechs Monaten 2002 um 15 Prozent auf 561 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Steuern ging im zweiten Quartal auch ohne die Sonderabschreibungen auf Minderheitsbeteiligungen um 25 Prozent auf 175 Millionen Euro zurück. Einschließlich der drastischen Wertberichtigungen von 409 Millionen Euro verzeichnete SAP zum ersten Mal seit dem Börsengang 1988 einen Quartalsverlust von 232 (plus 116) Millionen Euro. Reduzierte Prognosen bekräftigt Für das laufende Jahr bekräftigte SAP die vor rund einer Woche reduzierte Umsatzprognose und hielt an seinem Renditeziel fest. Die SAP-Aktie, die am Mittwoch kräftig zugelegt hatte, baute heute nach der Veröffentlichung ihre Kursverluste aus und notierte mit 78,50 Euro um 2 Prozent schwächer. Siebel baut Stellen ab Der US-Softwarehersteller und SAP-Konkurrent Siebel Systems hat im abgelaufenen Quartal einen stärkeren Gewinn- und Umsatzrückgang verzeichnet als von Analysten erwartet. Zugleich kündigte das Unternehmen am Mittwoch nach US-Börsenschluss den Abbau von mehr als 1.000 Stellen an. Siebel-Aktien reagierten nachbörslich mit Kursverlusten auf die Unternehmensnachrichten. Die US-Firma gab für das zweite Quartal einen Einbruch des Reingewinns auf 29,8 (Vorjahreszeitraum 76,6) Mill. Dollar oder 6 (15) Cent je Aktie sowie des Umsatzes auf 405,6 (560,2) Mill. Dollar bekannt. Von Thomson First Call befragte Analysten hatten demgegenüber im Schnitt mit höheren Werten gerechnet, und zwar mit neun Cent beim Gewinn je Aktie und 437,1 Mill. Dollar beim Umsatz. Sonderbelastungen Für das laufende dritte Quartal erwartet Siebel nach eigenen Angaben ohne Berücksichtigung von Restrukturierungskosten einen Gewinn je Aktie von 5 bis 8 Cent bei einem Umsatz von 355 bis 400 Mill. Dollar. Für das vierte Quartal sei mit ähnlichen Werten wie für das dritte Quartal zu rechnen. Das Unternehmen mit Sitz in San Mateo (US-Bundesstaat Kalifornien) kündigte ferner an, seine Mitarbeiterzahl auf 6.000 von derzeit 7.164 zu reduzieren. Dafür fielen im dritten Quartal Sonderbelastungen von 225 bis 250 Mill. Dollar an. Siebel-Aktien fielen im nachbörslichen Geschäft auf der elektronischen Handelsplattform Instinet auf 11,20 Dollar nach 11,74 Dollar zum Handelsschluss an der US-Technologiebörse Nasdaq. (APA/Reuters)