Rabat/Casablanca - Die marokkanische Regierung benützt den gegenwärtigen Konflikt mit Spanien um die Insel Perejil innenpolitisch geschickt als nationalistisches Ventil und kann - wie in der Westsahara-Frage - mit der uneingeschränkten Unterstützung der Linksopposition rechnen. Der Vorsitzende der Vereinigten Sozialistischen Linken (GSU), Mohammed Bensaid, forderte am Mittwoch die Regierung von Ministerpräsident Abderrahmane Youssoufi auf, angesichts der "kolonialistischen Aggression" der Spanier "Standhaftigkeit" zu zeigen. Die spanische Militäroperation sei eine flagrante Aggression gegen die Souveränität Marokkos, betonte Bensaid nach einem GSU-Kongress in Casablanca. Die Leila (Perejil)-Aktion verleihe auch der Frage der Wiedereingliederung von Sebta (Ceuta) und Melilla besondere Aktualität, hob der Oppositionspolitiker hervor. "Die Intervention Madrids zwingt uns, Widerstand zu leisten, wie wir es getan haben in Saguia el Hamra (Westsahara)", sagte der GSU-Chef. "Spanischer Kolonialismus" Die gesamte marokkanische Presse hat eine vehemente Kampagne gegen den "spanischen Kolonialismus" in Gang gesetzt. Regierungschef Youssoufi, der unter der Herrschaft des verstorbenen Königs Hassan II. als Oppositioneller zum Tode verurteilt worden war, gilt als Symbol für den Übergang zu einem demokratischeren System. Nach Hassans Tod ließ der neue König Mohammed VI. namhafte Dissidenten, die ins Ausland geflohen waren, zurückkehren und amnestieren. Der "demokratische Elan" hat jedoch bald nachgelassen. Polizei- und Justizsystem entsprechen nicht den Maßstäben eines modernen Rechtsstaates. Alle Parteien in Marokko werfen Spanien vor, als ehemalige Kolonialmacht am Prinzip eines Selbstbestimmungs-Referendums in der besetzten Westsahara festzuhalten und die jüngsten US-amerikanischen Autonomie-Vorschläge in der UNO durchkreuzt zu haben. Die USA hatten den anderen Mitgliedern der Westsahara-Gruppe der UNO (Russland, Frankreich, Großbritannien, Spanien) eine Initiative unterbreitet, die auf einen Verzicht auf die Volksabstimmung und auf eine Autonomie der früheren spanischen Territoriums innerhalb des marokkanischen Staates hinauslaufen würde. (APA)