Belgrad - Der wegen Kriegsverbrechen zweifach angeklagte frühere bosnisch-serbische Militärführer General Ratko Mladic dürfte sich doch in Serbien aufhalten. Die Belgrader Tageszeitung "Danas" wies vor dem Besuch der Chefanklägerin des Haager Kriegsverbrechertribunals, Carla del Ponte, am Freitag in Belgrad auf Gerüchte hin, wonach Mladic neulich in der westserbischen Grenzstadt Loznica und Umgebung gesichtet worden sei. Mladic soll bis Februar dieses Jahres in seiner gut bewachten Belgrader Villa gewohnt haben. Nachbarn konnten ihn den Angaben zufolge in Begleitung seiner Bodyguards täglich in einer lokalen Bäckerei antreffen. Später hieß es, dass Mladic Unterschlupf auf dem Gebiet der zentralserbischen Stadt Valjevo gefunden habe, wo etliche seiner einstigen Mitkämpfer leben sollen. Der serbische Innenminister Dusan Mihajlovic, der einstige Bürgermeister von Valjevo, reagierte unterdessen mit einem ironischem Kommentar auf die Ankündigungen des UNO-Kriegsverbrechertribunals, wonach Chefanklägerin Del Ponte bei ihrem Besuch in Belgrad jugoslawischen Gesprächspartnern auch das aktuelle Versteck von Mladic nennen wolle. "Wenn sie die Adresse bringt, können wir uns zusammen dorthin begeben", meinte Mihajlovic. Mladic könnte in der Region von Loznica untergetaucht sein, um sich im Falle einer Fahndung leicht nach Ostbosnien absetzen zu können, wo er unter den dort lebenden Serben weiterhin große Popularität genießt. Der General scheint auch unter den jugoslawischen Militärs zahlreiche Sympathisanten zu haben, weshalb nach Informationen gut unterrichteter Kreise in Belgrad ein möglicher Festnahmeversuch als äußerst risikoreich gilt. (APA)