Bild nicht mehr verfügbar.

ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch sieht sich und die Seinen auf Kurs.

foto: apa/pfarrhofer
Wien - Die Landesvorsitzenden des ÖGB befürworten den Plan von Präsident Fritz Verzetnitsch, sie in den Bundesvorstand aufzunehmen. Sie könnten so ihre Anliegen besser transportieren - und es dürfe sich "nicht alles nur in Wien abspielen", wie es Franz Reiter, der Vertreter Tirols, formulierte. Verzetnitsch kann mit dieser Maßnahme im Rahmen der ÖGB-Organisationsreform gleichsam zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Der Bundesvorstand, zentrale Schaltstelle, erhält mehr Gewicht und unangenehme Maßnahmen für die Bundesländer, die sich um Zuge der anstehenden Reform ergeben könnten, würden von den jeweiligen Ländern mit getragen. Eine Verantwortung, die den Länderchefs durchaus klar ist. Ziel des ÖGB ist eine gewerkschaftliche Betreuung pro Betrieb. Die 13 Fachgewerkschaften haben sich bereits für drei Blöcke entschieden, um Synergieeffekte nutzen, Kosten sparen und vor allem Mitglieder besser betreuen zu können. Der 15. Bundeskongress im Oktober 2003 soll die Organisationsreform beschließen. Vertreter der Fachgewerkschaften, die Präsidiumsmitglieder, Vertreter der Fraktionen und der Abteilungen Jugend, Frauen und PensionistInnen gehören jetzt schon dem Bundesvorstand an, der drei bis vier Mal pro Jahr zusammen tritt. Künftig werden auch die Ländervorsitzenden dazu kommen. "Höchste Zeit", dass das passiert, sagt der Landesvorsitzende in Kärnten, Adam Unterrieder. "Das tut dem ÖGB sicher gut. Vor allem in einer Zeit, wo sich in den Ländern so viel tut." Probleme, damit gegen Länderinteressen zu verstoßen, sieht Unterrieder nicht. "Natürlich würde ich primär die Länderinteressen vertreten", merkte er an. Ähnlich argumentiert die geschäftsführende Vorsitzendes des ÖGB Burgenland, Sylvia Gartner: "Ich könnte die Interessen der burgenländischen Arbeitnehmer direkt einbringen, z.B. in der Frage der EU-Osterweiterung". Oder die Stimme aus Tirol, Franz Reiter: So könnte man etwa bei Konflikten wie etwa der "Abfertigung Neu" bzw. bei der möglichen Senkung der Lohnnebenkosten "einheitlich" vorgehen, jedes Land hätte den gleichen Info-Stand". Es könne nicht sein, "dass sich alles nur in Wien abspielt". "Das ist ein guter Vorschlag von Verzetnitsch", sagt auch der steirische ÖGB-Chef Horst Schachner. "Es ist höchst wichtig, dass die Landes-Repräsentanten im Bundesgremium vertreten sind, denn nur so haben sie ein Mitbestimmungsrecht." Angst, dass er dann "unverkäufliche Beschlüsse" zu Hause mittragen muss, hat er nicht: "Man muss sich einbringen, ich sehe darin nur Vorteile". Hubert Wipplinger (OÖ), der von seiner Gewerkschaft Bauz-Holz ohnehin in den Vorstand delegiert ist, findet die Verzetnitsch-Idee "wirklich diskussionswürdig". Es gehe nicht um "Machtverhältnisse", sondern darum, dass dann die Landeschefs die jeweilige Politik des ÖGB und die Themen der Mitglieder in den Ländern transportieren könnten. Der ÖGB würde dadurch föderalistischer." (APA)