Bregenz - Mit der Opernrarität "Julietta" des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinu wurden am Mittwochabend die 57. Bregenzer Festspiele künstlerisch eröffnet. Nach über drei Stunden Spieldauer im Festspielhaus bedankte sich das Premierenpublikum mit Beifall für die Wiener Symphoniker unter Dietfried Bernet und das Sängerensemble samt Choristen. Martinu (geb. 1890 im südböhmischen Policka, gestorben 1959 in Basel) hat die 1938 uraufgeführte "Julietta" eine Oper der "Suche und der Sehnsucht" genannt. Der Pariser Buchhändler Michel sucht eine Frau, deren Stimme ihn verzaubert hat, und gerät in eine kleine Hafenstadt, deren Bewohner die Erinnerung verloren haben. Traum und Wirklichkeit geraten immer mehr durcheinander. Die surreale, albtraumhafte und Sisyphus-artige Suche Michels nach "Julietta" gilt gleichermaßen der Frau wie der verlorenen Heimat(stadt) und gerät zur Katastrophe des Vergessens, Verdrängens und Alleinseins. "Julietta" erlebte in Bregenz die szenische Österreich- Erstaufführung, und zwar in einer neuen deutschen Übersetzung, die der Direktor des Prager Martinu-Instituts, Ales Brezina, und Dirigent Dietfried Bernet erarbeitet haben. (APA)