Washington - Österreichische Exekutivbeamte werden seit Februar nach einem Modell der Anti-Defamation-League (ADL) in "Sensibilisierungs-Seminaren" in Konfliktlösung unter besonderer Berücksichtigung der Minderheiten-Rechte und der Vermeidung von Rassismus geschult. Bei seinem USA-Besuch hat Innenminister Ernst Strasser (V) nun mit einem Vertreter der Bürgerrechtsorganisation ADL eine Evaluierung der Schulungen erörtert. Weiters präsentierte er die Pläne zur Modernisierung der Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager in Mauthausen: "Wir wollen vor allem der Jugend eine aktive Schutzimpfung gegen alle Formen von Minderheitendiskriminierung, Antisemitismus und Rassismus geben", versicherte der Minister. "Hervorragendes Programm" An den 23 seit Februar 2002 abgehaltenen Seminaren haben bisher drei Prozent der Mitarbeiter teilgenommen, für heuer sind noch 17 weitere Veranstaltungen geplant. Die Seminare werden von Mitarbeitern des Ministeriums abgehalten, die vorher bei ADL eine entsprechende Schulung erhalten haben. Das "hervorragende Programm" könnte auch in der Mitteleuropäischen Polizeiakademie in Wien angeboten werden, schlug Strasser vor. Der ADL-Direktor in Washington, Jess Hordes, würdigte die Bemühungen der Bundesregierung im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus. "Die österreichische Regierung hat jene Dinge unternommen, die wir uns auch bei anderen Regierungen wünschen würden", sagte Hordes. Besorgt zeigte er sich über die Zunahme von antisemitischen Akten in Frankreich, auf die die Regierenden zunächst nicht adäquat reagiert hätten. Strasser versicherte, dass die Bundesregierung die Ablehnung von antisemitischen, rassistischen und minderheitenfeindlichen Haltungen weiter fortführen werde. Die Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen werde modernisiert und ein neues Besucherzentrum errichtet, das im Mai 2003 eröffnet werden soll, berichtete Strasser. In Mauthausen und seinen 49 Nebenlagern hatten die Nationalsozialisten fast 200.000 Menschen inhaftiert - mehr als die Hälfte von ihnen wurde bis zur Befreiung 1945 ermordet oder kam unter den unmenschlichen Lagerbedingungen ums Leben. Die ADL ist eine amerikanische Bürgerrechtsorganisation, die seit ihrer Gründung 1913 in New York gegen Antisemitismus, Vorurteile sowie Fremden- und Minderheitenfeindlichkeit kämpft. Anlass der Gründung war ein Gerichtsverfahren unter antisemitischen Vorzeichen gegen Leo Frank in Alabama, der nach der Verhängung der Todesstrafe einem Lynchmord zum Opfer fiel. Zu den Arbeitsschwerpunkten der ADL zählt heute das öffentliche Auftreten gegen menschenfeindliche Umtriebe durch extremistische Gruppen, umfassende Aufklärung und Erziehung gegen Vorurteile. Österreich als Partner und "Brückenbauer" Österreich könne im Verhältnis mit den Vereinigten Staaten eine Rolle als Partner und "Brückenbauer" zu Staaten mit gespanntem Verhältnis zu den USA spielen. Dies erklärte Innenminister Ernst Strasser (V) Mittwoch Abend zum Abschluss seines zweitägigen Besuchs in Washington gegenüber der APA. Bei seinen Gesprächen mit u.a. den Chefs von FBI und CIA sowie Justizminister John Ashcroft habe er die Wertschätzung für Österreich bei der Kooperation in Sicherheitsfragen und für die "menschliche Anteilnahme" nach den Terrorangriffen vom vergangenen September erfahren. "Zwischen der Weltnation USA und dem kleinen Land Österreich bestehen exzellente Beziehungen mit durchaus partnerschaftlichem Charakter", charakterisierte er das bilaterale Verhältnis. Österreich werde auch wegen seiner Funktion als "Brückenbauer" zu Ländern, mit denen die USA gespannte Beziehungen haben, geschätzt. Als Beispiel nannte er den Iran, dessen Innenminister Abdolvahed Moussavi-Lari ihn Anfang Juli in Wien besucht hatte. Der iranische Staatspräsident Mohammad Khatami und sein Team seien "interessante Partner", und auch in den USA gebe es eine Debatte um den Umgang mit dem Iran. Ein weiteres für die USA wichtiges Gebiet ist Zentralasien, das der Innenminister in nächster Zeit besuchen wird.(APA)