Rabat/Algier - Die marokkanische Presse, sowohl die arabisch- als auch die französischsprachige, verurteilt die spanische Perejil-Militäraktion als "absurd", "unangemessen" und "lächerlich" und warnt gleichzeitig vor "verheerenden Konsequenzen". "Das Spiel der automatischen Solidarität auf der Ebene von EU und NATO erhöht das Risiko eines 'Zusammenpralls der Zivilisationen', den man nach dem 11. September zu verhindern versucht hat", schreibt die Zeitung "L'Economiste" am Donnerstag in Rabat. "Keine europäische Instanz" habe sich die Mühe gemacht, die wirklichen Hintergründe der Krise zu analysieren, betont "Aujourd'hui le Maroc" und fügt hinzu, dass das Schicksal der spanischen Enklaven in Marokko (Ceuta und Melilla) damit besiegelt sei. "Typische Aggression" Die Regierungszeitung "L'Opinion" spricht von einer "typischen Aggression" und betont, dass "Marokko im Stande ist, die Herausforderung anzunehmen und jenen eine Lektion zu erteilen, die an ihre eigene militärische Überlegenheit glauben". Wenn Spanien die "Eskalation" suche, werde Marokko die Mittel haben zurückzuschlagen, und Spanien werde noch eine "große Überraschung erleben". Für "Al Ahdath al Maghribia" ist die Aktion in erster Linie auf innenpolitische Probleme in Spanien zurückzuführen. Die Zeitung "Liberation" wirft dem spanischen Premier Jose Maria Aznar vor, die Eskalation des Konflikts auch mit militärischen Mitteln zu suchen. "Demütigung" und "Zurechtstutzung" Als "Demütigung" und "Zurechtstutzung" Marokkos interpretiert dagegen die algerische Presse die Perejil-Aktion. Das Nachbarland habe sich der "Lächerlichkeit" preisgegeben und stehe jetzt isoliert da, sehe man von verbaler Unterstützung durch das Generalsekretariat der Arabischen Liga ab, schreibt "L'Expression". Marokkos "expansionistische Absichten" und seine Politik der Versuche, vollendete Tatsachen zu schaffen, hätten niemanden von ihrer Berechtigung überzeugt. Dies sei auch in der Vergangenheit so gewesen, sowohl mit der Westsahara-Besetzung als auch der Weigerung, Mauretanien als unabhängigen Staat anzuerkennen. (APA)