Berlin - Wenn der deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) in den vergangenen zwölf Monaten Schlagzeilen machte, waren sie meist negativ. Von seinen Mallorca-Flügen über das Ausplaudern angeblicher US-Militärpläne bis zum Haushaltsstreit um den Militärtransporter A400M - der deutsche Verteidigungsminister kam in der Öffentlichkeit schlecht weg. Im Folgenden ein Überblick über seine "Affären":
  • Bade-Fotos
    Am 23. August 2001 veröffentlicht die Illustrierte "Bunte" unter der Schlagzeile "Total verliebt auf Mallorca" Urlaubsbilder, die Scharping und seine neue Partnerin Kristina Gräfin Pilati-Borggreve küssend im Pool zeigen. Die Opposition wirft dem Minister vor, sein Amt zu vernachlässigen - schließlich wird in Deutschland gerade heftig über den Bundeswehreinsatz in Mazedonien debattiert. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" widmet Scharping eine Titelgeschichte mit der Schlagzeile: "Rudolf der Eroberer".

  • Mallorca-Flüge
    Nach der Sondersitzung des Bundestages zum Mazedonien-Einsatz am 29. August 2001 macht Scharping mit einer Bundeswehrmaschine einen Abstecher zu Pilati nach Mallorca, bevor er zum Truppenbesuch auf den Balkan fliegt. Die Opposition wirft ihm vor, die Flugbereitschaft regelmäßig für Privatflüge nach Frankfurt missbraucht zu haben, wo seine Lebensgefährtin wohnt. Bei einer Sitzung des Verteidigungsausschusses am 10./11. September gelingt es Scharping, die Vorwürfe zu entkräften. Die Affäre gerät angesichts der Terroranschläge vom 11. September in Vergessenheit.

  • US-Militärpläne
    Im Dezember 2001 verlautet aus "deutschen Regierungskreisen", die USA wollten im Rahmen ihrer Kampagne gegen den internationalen Terrorismus auf jeden Fall in Somalia intervenieren. Eine Zeitung enthüllt, dass Scharping die Quelle war. Sein US-Kollege Donald Rumsfeld äußert sich verächtlich. Dem "Deutschen", der geplaudert habe, tue es sicher leid, "Unsinn" verzapft zu haben, spottet er. Die Opposition fordert erneut Scharpings Rücktritt, doch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hält an ihm fest, so dass er die Peinlichkeit aussitzen kann.

  • A400M
    Ebenfalls im Dezember 2001 leistet Scharping in Brüssel eine Unterschrift, die Deutschland zum Kauf von 73 Militärtransportern des Typs A400M verpflichtet. Im Haushalt ist dafür aber nicht genug Geld eingestellt. Der Streit zwischen den Fraktionen der Opposition im Bundestag und der Bundesregierung über die Beschaffung des Airbus geht bis vors Bundesverfassungsgericht. Auch in den Reihen der Regierungsfraktionen herrscht Verärgerung darüber, nicht ausreichend konsultiert worden zu sein. (APA)