New York - US-Anleger wollen den weltgrößten Medienkonzern AOL Time Warner wegen Täuschung verklagen. Der Konzern habe irreführende Angaben über sein Betriebsergebnis und über die Fusion zwischen AOL und Time Warner gemacht, hieß es in der Sammelklage, die am Donnerstag (Ortszeit) bei einem New Yorker Gericht eingereicht wurde. Die Klage betrifft den Zeitraum April 2001 bis April 2002, als die Gruppe einen Rekordverlust von 54,4 Mrd. Dollar (54,1 Mrd. Euro) einfuhr. AOL Time Warner dementierte am Donnerstagabend Unregelmäßigkeiten in der Bilanz, wie sie zuvor von der US-Tageszeitung "Washington Post" behauptet wurden. Vor und nach ihrer Fusion mit der Time Warner Inc soll American Online Inc einem ihre Umsätze aus Werbeeinnahmen durch ungewöhnliche Transaktionen um mindestens 270 Millionen Dollar gesteigert haben. Anfang Oktober 2000 sei dem AOL-Management klargeworden, dass der Gesellschaft im nächsten Jahr ein Verlust von 140 Mill. Dollar (139,1 Mill. Euro) an Werbeumsätzen drohe, berichtet die "Washington Post". In dieser Atmosphäre, unmittelbar vor dem Zusammenschluss mit Time Warner, sei AOL bestrebt gewesen, die Werbeumsätze zu halten. Die Serie von ungewöhnlichen Transaktionen, die von 2000 bis 2002 anhielt, habe unter anderem die Verschiebung von Umsätzen in andere Bereiche umfasst, um das Online-Geschäft zu stützen. Auch habe AOL für das Internet-Auktionshaus eBay Werbung verkauft und als eigenen Umsatz verbucht. Pittman geht ab Am späten Abend Donnerstag abend trat der Chief Operating Officer (COO) des Unternehmens, Robert Pittman, von seinem Amt zurück. Pittman war erst im April zum COO berufen worden, um die Online-Tochter des Konzerns wieder in Schwung zu bringen. In Kreisen war eine Neuordnung des Vorstands erwartet worden, da Parson versuche, das Vertrauen der Investoren wiederzugewinnen. Branchenkennern zufolge geben die personellen Veränderungen nun den Managern von Time Warner einen größeren Einfluss im Konzern. Im Jänner 2001 war die rund 106 Mrd. Dollar schwere Übernahme von Time Warner durch AOL abgeschlossen worden. Analysten zeigten sich wenig überrascht von Pittmans Rücktritt und bewerteten ihn überwiegend als positiv. "Manchmal ist der Abschied eines Managers wie eine Therapie für ein Unternehmen", sagte Jordan Rohan von SoundView Technology. "So sehr Bob Pittman auch angesehen ist, könnte sein Abschied für die anderen Geschäftsbereiche eine Wiederbelebung bedeuten." (APA/Reuters/vwd/dpa)