STANDARD:Es sieht so aus, als müsste sich die Pharmaindustrie die gewünschte Abschaffung der Chefarztpflicht für Medikamente selbst bezahlen. Bode: Wenn eine Mehrverschreibung stattfindet, dann ist es ökonomisch durchaus überlegenswert, dafür auch etwas herzugeben. Das hätte eine gewisse Logik. Wir erhoffen uns eine leichtere Verschreibbarkeit bisher chefarztpflichtiger Medikamente. STANDARD: Wer müsste dann zahlen? Die Pharmawirtschaft als Ganzes oder jene Firmen, die besonders gut gehende Medikamente haben? Bode: Das ist noch völlig offen. Aber jenen Firmen, die von der neuen Situation profitieren, müsste die Reform auch am meisten wert sein. STANDARD: Welche Medikamente wurden Ihrer Meinung nach von den Kassen ungerechtfertigt zurückgewiesen? Bode: Der typische Fall ist: Es kommt ein neues Produkt auf den Markt, das wirkungsvoller, nebenwirkungsfreier, aber auch teurer ist. So etwas wird immer häufiger abgelehnt - mit medizinischen Argumenten. Aber ich behaupte, in 95 Prozent aller Fälle geht es nur um die Kosten. Jedes Jahr werden vier Millionen Medikamente begutachtet: Das ist doch irre viel und das kostet auch viel! Mittelfristig gibt es hier ein immenses Einsparungsvolumen im administrativen Bereich der Sozialversicherung. STANDARD: Wie gut oder wie schlecht geht es der Pharmaindustrie in Österreich wirklich? Bode: Der Fabriksabgabepreis ist im europäischen Vergleich im Schnitt 17 bis 18 Prozent unter dem europäischen Mittelwert. Die Großhandels- und die Apothekerspannen sind mittlerweile gesunken. Extrem hoch ist im europäischen Vergleich aber der Mehrwert- steueraufschlag von 20 Prozent. Daher ist der Endpreis am Markt oft höher als in anderen europäischen Ländern STANDARD: Internationale Firmen drohen, manche Produkte wegen des Preisdrucks gar nicht mehr auf den österreichischen Markt bringen zu wollen. Bode: Teilweise ist das schon Realität. Denn wenn wir ein sehr innovatives Medikament auf Druck des Hauptverbandes billig auf den Markt geben, dann wollen es andere Länder auch um diesen Preis. STANDARD: Welche Pillen bekommen Österreicher nicht? Bode: Diese Frage kann ich Ihnen jetzt nicht konkret beantworten. Es gibt jedenfalls für neue Präparate in einer Reihe von wichtigen Therapiegebieten Riesenprobleme, sodass die Konzerne immer mehr überlegen, ob sie es in Österreich auf den Markt bringen. STANDARD: Etwa bei den neuen Cholesterinsenkern? Bode: Dazu gab es einen Riesenstreit und der Kompromiss hinterließ Verbitterung aufseiten der Industrie. STANDARD: Ab wann wird verhandelt? Bode: Ich denke, innerhalb der nächsten zehn bis 14 Tage. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.7.2002)