Wien - "Am heftigsten reagieren die Kinder", sagt Romy Pryl und steckt eine langstielige Blume in die Asphaltritze auf der Freyung - zwischen Touristengruppen und Büroleuten. Dann schleichen sie und ihr Kompagnon Hans Heisz um die nächste Ecke und nehmen auf, was passiert. Mit der Blume und den Menschen, die daran vorbeigehen. Mit einem Tonband und einem Fotoapparat. "Ein kleiner Stolperstein, der große gedankliche anregen soll", sagt der Künstler Hans Heisz zu seinem Projekt "BluX". "BluX" ist ein Stück verdeckter stadtgärtnerischer Teamarbeit: Durch ein unauffälliges Einkaufssackerl, das er - scheinbar vom Tragen erschöpft - kurz abstellt, bohrt er die feinen Löcher in den Asphalt und geht dann rasch weiter. Wenige Augenblicke später ist Pryl zur Stelle, stellt eine jener Plantransportrollen, die etwa Architekturstudenten gerne spazieren tragen, über das Loch, zieht das Rohr weg - und schon ist ein Blümlein im Asphalt gewachsen. Ein Dritter im Bunde übernimmt die Dokumentation: Schließlich werden gerade Blumen am wenigsten mitten in der Asphaltfläche erwartet. Die Reaktionen, erzählen die Betonbepflanzer, seien auch von Bezirk zu Bezirk, von Grätzel zu Grätzel verschieden: Meist werden sie binnen wenigen Stunden gepflückt - oder sind schon nach ganz kurzer Zeit in der Hand von Kindern. Theoretisch, so Heisz und Pryl, würden die wasserlos in den Stein gepflanzten Schnittblumen aber drei Tage halten - doch sogar wer bei Bettlern und anderen "Stadtbild-Störfaktoren" wegschaut, kann den Blick (und dann oft die Hand) von der Pflanze im Grau nicht lassen. Die "Persönlichkeit der Menschen" will Heisz darstellen und dabei die Mittel möglichst vereinfachen. Die Finissage seiner "Irritationen der Straßenbenützer" wird am 17. Oktober im Künstlerhaus stattfinden. ( Emanuel Mauthe, DER STANDARD, Printausgabe 19.7.2002)