Salzburg - Turbulent verlief der vorletzte Verhandlungstag vor der Sommerpause im Prozess um den Brand der Standseilbahn in Kaprun im November 2000. Privatbeteiligtenvertreter Jürgen Hinterwirth beantragte, die Ehefrau eines bereits einvernommenen Zeugen, eines mittlerweile pensionierten Bediensteten der Gletscherbahnen, zu befragen. Ihr Mann habe vor Gericht "nicht die volle Wahrheit gesagt", da er unter den Kollegen "nicht als Verräter angesehen werden wollte", erklärte sie. Druck von Vorgesetzten Im Zeugenstand erklärte die Frau weiter, ihr sei durch ihren Mann und andere Menschen im Umfeld der Gletscherbahnen immer wieder von Druck berichtet worden, der auf die Zeugen vonseiten ihrer Vorgesetzten im Unternehmen ausgeübt worden sei. Die Zeugin berichtete auch von weniger ausführlichen Revisionen und selteneren Katastrophenübungen, die es seit Mitte der 90er-Jahre gegeben haben soll. Konkrete Beschuldigungen konnte sie nicht vorbringen. Befragt nach dem Grund, warum sie die Aussagen ihres Mannes vor Gericht als zumindest unvollständig bezeichnet, meinte die Zeugin, sie tue dies "aus christlichem Motiv und um den Opfern zu helfen". Verpackte Heizkörper Auch ein ehemaliger Werksmeister der Firma Swoboda konnte wenig zur Aufklärung des Brandunglücks beitragen. Er war mit einem etwa zehnköpfigen Team unter anderem für den Einbau der Heizlüfter in den Führerständen der Bahn verantwortlich. Wer diese tatsächlich dort eingebaut habe, das könne er "nicht mehr so genau sagen". Gefragt nach den Namen seiner ehemaligen Mitarbeiter, konnte er nur einen einzigen nennen, die Arbeiter hätten "oft gewechselt". Auch ob die Heizlüfter ursprünglich originalverpackt waren oder nicht, konnte der Werksmeister nicht beantworten. Die Verhandlung wird am Freitag, fortgesetzt und dann für sechs Wochen unterbrochen. Dass der Zeitplan für den ursprünglich bis Ende September angesetzten Prozess eingehalten werden kann, glaubt Richter Manfred Seiss nicht mehr. Derzeit laufe gerade die Planung weiterer Verhandlungstage im Oktober, so Seiss. (stet, DER STANDARD, Printausgabe 19.7.2002)