Wien - Die Gewerkschaft der Finanzangestellten kündigt Proteste an, sollte Minister Karl-Heinz Grasser die Diätpläne für die sieben Finanzlandesdirektionen durchsetzen: "Man wird wieder einmal die Akustik der Himmelpfortgasse testen müssen, wie das klingt, wenn das viertausend Finanzbeamte protestieren", so Gewerkschafter Klaus Platzer. Akuter Personalmangel, eine Umorganisation der Finanzämter - zunächst in zwei Pilotversuchen im Burgenland und im Mühlviertel - und daraus resultierende unbezahlte Mehrarbeit lassen die Kampfbereitschaft steigen.Verunsicherung Der Finanzminister und sein Staatssekretär Alfred Finz haben zwar Meldungen dementiert, wonach die Auflösung der Finanzlandesdirektionen unmittelbar bevorstünde. Doch die Mitarbeiter sind verunsichert. Die Finanzlandesdirektionen müssen nämlich die Funktion als Rechtsmittelbehörden an den neu eingerichteten Unabhängigen Finanzsenat (UFS) abgegeben. Für die Steuerzahler bedeutet das, dass eine Berufung gegen einen Steuerbescheid nicht mehr von einer Behörde, sondern von einem quasi-richterlichen Gremium entschieden wird. Über kurz oder lang würden weiters organisatorische Maßnahmen (etwa die Zuteilung von Personal) nicht mehr in der jeweiligen Region, sondern in Wien entschieden. Und attraktive Karrieremöglichkeiten gäbe es auch nur mehr in der Bundeshauptstadt, so die Gewerkschafter. Die höhere Bewertung der Posten bei den UFS schmälere außerdem den Spielraum für bessere Bezahlung der anderen Beschäftigten. Ein Beispiel für die Überarbeitung: In Vorarlberg sieht der Stellenplan 386 Finanzbedienstete vor, tatsächlich seien es aber nur 286. (cs, DER STANDARD, Printausgabe 19.7.2002)