So privat war die öffentliche Person Jörg Haider schon lange nicht. Auch wenn die irakische Einladung an Seine Exzellenz, den Landeshauptmann von Kärnten, gerichtet war, sei der Trip nach Bagdad - wie alle anderen Ausflüge in den arabischen Raum - rein privater Natur gewesen. Die Kosten beglichen private Sponsoren oder die Partei, auch wenn Rechnungen erst einmal an die Landesregierung in Klagenfurt gingen - Missverständnisse, die im Nachhinein korrigiert wurden.Und Schaden kann Haider schon überhaupt keinen erkennen. Was ist denn schon unanständig an einem Tete-à-Tete mit dem irakischen Diktator? Immerhin habe man auch ganz direkt die Frage der Menschenrechte angesprochen. Etwa jene Menschenrechtsverletzungen, deren sich die USA gegenüber dem Irak schuldig gemacht hätten. Und außerdem: "Es gibt auch Privat-Politisches", erläuterte Haider vor dem Kärntner Untersuchungsausschuss. Schon ganz andere Politiker von Format seien vor ihm zu privat-politischen Reisen und Zusammenkünften aufgebrochen: Helmut Kohl etwa zu Michail Gorbatschow, Henry Kissinger nach China. Und eben Jörg Haider zu Saddam Hussein. Ist doch eine logische Fortsetzung der Weltpolitik, oder? Der einzig relevante Unterschied: Kohl und Kissinger mussten sich danach nicht mit lästigen Ausschüssen herumschlagen. Nur auf Haider hackt man eben herum. Dabei erwartet er sich von seinen Aufwartungen bei Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi ganz sicher keine finanzielle Unterstützung für die FPÖ, und das Händeschütteln mit Saddam Hussein geschah nur zum Wohle Kärntens, wenn nicht gar der Republik. Der Ausschuss in Kärnten wird die wahren Absichten wohl nicht aufklären, ihm ist aber für die humoristischen Einlagen zu danken. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.7.2002)