Wien - Zuerst dachten die Vorstände der European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) nur an einen Zufall: Kaum hatten sie mit eher ungläubigem Staunen die Meldung der Austria Presse Agentur übermittelt bekommen, dass sie den Zuschlag für die Abfangjäger bekommen hätten, läutete schon das Telefon.Es war allerdings nicht etwa ein Regierungssprecher, der ihnen die freudige Botschaft mitteilte, sondern ein österreichischer Hersteller von Metallwaren, der recht forsch "a Gegengeschäft" einforderte. Bald stellte sich heraus: kein Zufall. "Seither steht das Telefon nicht mehr still. Wir bekommen pro Tag 50 Anrufe und mehr, und am Wochenende ist der Anrufbeantworter voll", stöhnt ein Vorstandsmitglied der EADS. Wenig fruchte es, wenn darauf hingewiesen wird, dass zuerst die Aufnahme in eine Datenbank und viele weitere Schritte notwendig sind, wie etwa die Bewertung eines Angebotes. Manche potenzielle Geschäftspartner glauben sogar, einen Rechtsanspruch auf einen Auftrag zu haben. "Das mit den Gegengeschäften: Seid ihr Österreicher immer so?", fragt ein etwas gestresster Mitarbeiter von EADS. Ein leicht panisches Flimmern in den Augen bekommen die Manager aus München, wenn sie nun bemerken, dass ein "Wettbewerb" der Bundesländer um möglichst viele Aufträge stattfinden soll. Denn immerhin lernten sie bereits die wahren Machtverhältnisse in Österreich kennen: Einer der ersten Besuche führte nach Kärnten, wo Jörg Haider als Morgengabe auf einen nicht näher bezeichneten "Technologiebetrieb" mit 150 Mitarbeitern bestand. PR-Betreuer von EADS ist übrigens der ehemalige FPÖ-General Gernot Rumpold. Trotz aller Gegengeschäftspanik sind die vereinbarten 200 Prozent Kompensationen leichter zu erfüllen als die 20 Prozent, die beispielsweise Griechenland fordert: Dort gibt es, ähnlich wie fast in allen anderen Ländern, die auf Gegengeschäften bestehen, harte gesetzliche Rahmenbedingungen. Im Unterschied zu Österreich. (mimo/DER STANDARD, Printausgabe, 19.7.2002)