Linz - Der Zugang zum Privatkonkurs wird leichter. Durch die Insolvenzrechtsnovelle bekommen nun auch Menschen die Chance, ihre Zahlungsunfähigkeit zu erklären, die bisher ausgeschlossen waren. Generell sind besonders ausländische Unternehmer gefährdet, ihren privaten Bankrott erklären zu müssen, zeigen Zahlen aus Linz.Zwei wesentliche Neuerungen beinhaltet die Insolvenzrechtsnovelle, die am 1. Juli in Kraft getreten ist, berichtet Katharina Malzer vom Verein für prophylaktische Sozialhilfe, der die Schuldnerberatung in Oberösterreich betreibt. "Erstens muss nun bei der Verfahrenseröffnung nicht mehr nachgewiesen werden, dass innerhalb von sieben Jahren zehn Prozent der Schulden gezahlt werden können", erklärt Malzer. Man kann Gläubigern so auch eine niedrigere Quote anbieten. Konkurs auch für Kindergeldbezieherinnen, Präsenz- und Zivildiener "Zweitens können nun auch Kindergeldbezieherinnen sowie Präsenz- und Zivildiener den Konkurs beantragen, wenn sie nachweisen, dass sich ihre Einkommenssituation in spätestens zwei Jahren bessert", erklärt die Beraterin weiter. Der Vorteil: Es kommt zu einem Zinsenstopp, der Schuldenberg wächst zumindest nicht weiter. Die Gefahr, in die private Schuldenfalle zu tappen, ist laut Malzer für Selbstständige besonders groß. Bei 20 Prozent der Klienten war der Traum vom eigenen Unternehmen schuld an der Zahlungsunfähigkeit. Darunter finden sich auch viele nicht in Österreich Geborene, die oft von den betriebswirtschaftlichen Anforderungen überrascht sind. Gerade im Gastronomiebereich und im Lebensmittelhandel kommt es zu Problemen. Bei der Wirtschaftskammer (WK) ist man sich der Problematik bewusst. Auf der Homepage für Unternehmensgründer sind Leitlinien daher auch in Fremdsprachen abrufbar, erklärt Karl Schönbichler von der WK in Linz. Zusätzlich können Beratungsgespräche auch in Englisch geführt werden, um Interessierte zu informieren. (moe, DER STANDARD, Printausgabe, 19.7.2002 )