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Der Kleine Fuchsbandwurm, Echinococcus multilocularis, verursacht mit seinem Larvenstadium (Bild) die in Mitteleuropa gefährlichste auf den Menschen übertragbare parasitäre Erkrankung, die Alveoläre Echinokokkose.

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Göttingen - Der Parasit ist klein, die Verunsicherung der Bevölkerung dagegen sehr groß. Beim Gedanken an den Fuchsbandwurm vergeht vielen Kleingärtnern und Spaziergängern der Appetit auf frisch geerntete Beeren, Obst oder Gemüse. Kein anderer Parasit in Mitteleuropa verursacht eine ähnlich gefährliche Erkrankung wie der Kleine Fuchsbandwurm, Echinococcus multilocularis. Seit dem Rückgang der Tollwut in den vergangenen Jahren beobachten Wissenschafter einen drastischen Anstieg der Fuchspopulation und damit einhergehend eine Ausbreitung des Fuchsbandwurms. Die Forscher fürchten, dass diese Entwicklung zu einer erhöhten Infektionsgefahr für den Menschen führt. Der Parasit lebt im Darm von Füchsen, aber auch von Hunden und Katzen. Diese so genannten Endwirte scheiden mit dem Kot die Bandwurmeier aus. Kleine Nagetiere nehmen die Eier mit der Nahrung auf und werden damit zu Zwischenwirten: In ihrem Darm entwickeln sich die Eier zu Larven. Werden die Nager dann vom Fuchs gefressen, reifen die Larven dort zum Bandwurm heran, und der Kreis schließt sich. Weg der Infizierung Der Mensch infiziert sich über den Mundweg mit den Bandwurmeiern. Nach der Ansteckung entwickeln sich die Eier im Darm zu Larven. Diese dringen dann meist in die Leber ein, wo ein tumorartiges wucherndes Larvengewebe entsteht. Bis die Betroffenen erste Symptome wie Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Gelbfärbung der Haut bemerken, können fünf bis 15 Jahre vergehen. Gerade dieser lange Zeitraum macht die Rückverfolgung der Übertragungswege besonders schwierig. Diese seien trotz umfangreicher Studien völlig ungeklärt, betont Kimmig. Die verbreitete Annahme, die Ansteckung erfolge über den Verzehr von Waldfrüchten oder Pilzen, hält er zwar grundsätzlich für möglich, generell aber für reine Spekulation. Denkbar sei auch eine Übertragung durch Kontakt mit infizierten Hunden oder Katzen. Unbekannte Immunabwehrgründe Auffällig ist, dass unter den Erkrankten viele Landwirte sind. Dies hat zu der Annahme geführt, dass die Bauern etwa beim Pflügen oder Mähen mit dem Staub aufgewirbelte Bandwurmeier eingeatmet haben könnten. Offenbar erkranken jedoch nicht alle Infizierten. Mediziner haben bei gesunden Personen sowohl Spuren früherer Infektionsherde festgestellt als auch Antikörper im Blut. Wovon jedoch abhängt, ob das Immunsystem den Parasiten abwehren kann, ist noch unbekannt. Eine Diagnose der Erkrankung ist per Ultraschall, Computertomographie oder durch Blutuntersuchung möglich. Wenn die Zerstörung der befallenen Organe nicht zu weit fortgeschritten ist, wird das betroffene Gewebe operativ entfernt. Ist es dafür zu spät, müssen sich die Betroffenen über Jahre einer Chemotherapie unterziehen, die das Larvenwachstum eindämmt, die Larven aber nicht abtötet. Vorbeugung Zur Vorbeugung gegen Infektionen empfiehlt das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz, Waldfrüchte, Gemüse oder Obst vor dem Verzehr zu waschen oder abzukochen. Einfrieren tötet die Eier dagegen nicht ab. Nach Arbeiten mit Erde oder Kontakt mit Hunden und Katzen sollten die Hände gründlich gereinigt werden. Eine regelmäßige Entwurmung der Hunde oder Katzen halten manche nicht für ratsam: Da sich die Tiere nach einer Wurmkur sofort wieder infizieren könnten, müsse man sie entweder jeden Monat neu entwurmen, oder man könne es gleich ganz unterlassen. (APA/AP)