Bonn - Virus-Infektionen sind häufig Auslöser für eine Tumorerkrankung. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe sind 220 Virusarten bekannt, die das ungebremste Wachstum menschlicher Zellen auslösen und einen Tumor hervorrufen können. "Wir gehen davon aus, dass weltweit derzeit mindestens 15 Prozent aller Tumorleiden mit einer vorangegangenen Virus-Infektion in Verbindung stehen, in den Entwicklungsländern sogar jedes vierte Tumorleiden", sagt Harald zur Hausen, wissenschaftlicher Stiftungsvorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. So werden Hepatitis-B- und C-Viren mit der Entstehung von Leberzellkrebs in Verbindung gebracht. Aber auch bestimmte Formen des Herpes-Virus können Nasentumore oder Lymphome hervorrufen. Durch Geschlechtsverkehr übertragene Papillom-Viren erhöhen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Infizieren solche Krebsviren gesunde Körperzellen, verbleiben sie nach Angaben der Forscher meist ein Leben lang im Zellinnern. Beginne das Virus, Eiweißstoffe zu produzieren, die das Wachstum der Körperzelle beeinflussten, könne ein Tumor entstehen. Arbeit an Impfstoffen Einen Ansteckungsschutz vor Hepatitis-Viren kann die Benutzung von Kondomen bieten. Derzeit arbeiten Wissenschafter aber auch fieberhaft an der Entwicklung von Impfstoffen gegen die Tumorviren. Bei Hepatitis B habe dies bereits geklappt, berichten die Experten. So habe man 1984 in Taiwan mit der Hepatitis-B-Impfung aller Neugeborenen begonnen. Bereits zehn Jahre danach habe sich die Zahl der Leberzellkrebsfälle bei Kindern halbiert. Gegenwärtig befinden sich Impfstoffe gegen die Hochrisiko-Papillomvirus-Typen 16 und 18 in der Entwicklung. "Die bisherigen klinischen Tests belegen, dass eine Schutzwirkung erwartet werden kann", sagt zur Hausen. (APA/AP)