Wien - Am Freitag um 17.00 Uhr endete die von Masseverwalter Günther Viehböck gesetzte Frist für verbindliche Kaufofferte für die insolvente Buch- und Medienhandelskette Libro. Zwar wurde nicht offiziell, wie viele Angebote letztlich wirklich eintrudelten, doch bestätigten Insider, dass kein einziger Interessent das Risiko einer kompletten Weiterführung des Handeslunternehmens auf sich nehmen will. Im Klartext heißt das, dass Libro und Amadeus höchstwahrscheinlich getrennt verkauft werden, aber auch die mehr als 240 Libro-Standorte an mehrere Käufer gehen werden. Das Unternehmen wird also filetiert, die Marke Libro ist an die großen Gläubigerbanken verpfändet.Wer für welche Filialen den Zuschlag bekommt, und wer Amadeus mit seinen 22 Häusern bekommt, entscheidet sich am 25. Juli, bei der nächsten Sitzung des Gläubigerausschusses. Dort sind neben Viehböck der Kreditschutzverband, der Alpenländische Kreditorenverband, die Finanzprokuratur, ein Lieferantenvertreter sowie die Raiffeisen Zentralbank und die Bank Austria vertreten. Interesse hält sich in engsten Grenzen Bis zuletzt hielt sich das Interesse an Libro in engsten Grenzen. Seit Konkurseröffnung am 17. Juni kamen dem Vernehmen nach keine neuen Bieter mehr dazu, nach wie vor rittern bereits "Altbekannte" wie der Welser Papier- und Bürowarenhändler Anton Stahrlinger oder der Buchgroßhändler Wilhelm Sotsas um die Standorte der früheren "Infotainment Company". Die rund 2300 Libro-Mitarbeiter werden jetzt ihre Juni-Gehälter erhalten. In den 30 bereits gekündigten Filialen ist der Ausverkauf angelaufen. Mit Angeboten von minus 20 bis minus 50 Prozent sollen die Regale geleert werden und Geld für die Konkursmasse hereinkommen. Betriebsrat kündigt Informationsveranstaltung an Der Betriebsrat von Libro-Amadeus und die Gewerkschaft der Privatangestellten kündigten eine Informationsveranstaltung am Samstagvormittag in der Nähe des Amadeus-Geschäftes auf der Landstrasse in Linz an. "Wir wollen darauf hinweisen, dass wir bereit sind, um unsere Jobs zu kämpfen", sagte stellvertretende Zentralbetriebsratsvorsitzende der Libro AG Helmut Ruß. Die 130 Angestellten des Linzer Amadeus wollen mit dem Satz "Wir wollen nicht zum Opfer irgendwelcher profitsüchtiger Immobilienhaie werden!" darauf aufmerksam machen, dass Amadeus als Teil der Libro AG mit in den Konkurs gerissen worden sei. Österreichweit sind 521 Mitarbeiter bei Amadeus beschäftigt. (Michael Bachner, Der Standard, Printausgabe, 20.07.2002)