Wien - Der Bierdurst geht weltweit weiter zurück. Sogar in Biertrinker-Nationen wie Deutschland, Irland und vor allem Tschechien sank der Pro-Kopf-Verbrauch an Gerstensaft im Jahr 2000 oder blieb höchstens gleich. Doch auch die Tschechen haben vor einigen Jahren im Schnitt mit 161 Liter noch um 4 Krügerl mehr pro Kopf getrunken als im Jahr 2000, waren aber mit 159 nach wie vor Rekordhalter. Mit einigem Abstand folgen ex aequo Deutschland und Irland mit 125 Liter pro Kopf - ebenfalls bei rückläufiger Tendenz - und dahinter bereits die Österreicher. Doch auch hier zu Lande geht der Durst zurück: versiegten hier pro Kopf 2000 im Schnitt noch 108 Liter Bier in den Bäuchen, waren es 2001 nur noch 107 Liter. Zuwächse gab es im Jahr 2000 - aus diesem Jahr stammen die aktuellsten Daten des Dachverbandes der europäischen Brauer CBMC - nur in Ländern wie Italien - wo allerdings nur rund 28 (1999: 27) Liter pro Kopf verzehrt werden - und in Spanien mit rund 72 Liter pro Kopf. In Ungarn gab es 2000 erstmals seit 2 Jahren wieder eine kleine Steigerung von 70 auf 73 Liter, allerdings lag das Niveau auch dort 1990 noch bei 107 Liter. Die Norweger legten um "2 Krügerl" auf 52 Liter pro Kopf zu. Im EU-Schnitt wurden 2000 76 (78) Liter Bier pro Kopf getrunken. In den USA waren es im Vergleich dazu 82 (84) Liter. Die stärksten Biertrinker in der EU waren traditionsgemäß die Deutschen, die allerdings mit 125 Liter pro Kopf auch weiter hinter den 80er Jahren mit 46 Liter liegen. Große Rückgänge gab es in den vergangenen 20 Jahren auch in Belgien von 131 auf 99 Liter, in Großbritannien mit einem Rückgang von 117 auf 95 Liter und in Dänemark von 122 auf 102 Liter. Der Bierdurst der Iren ist zwar im Vergleich zu 1999 auf 125 (126) leicht gesunken, im 20-Jahresabstand aber sogar um 3 Liter größer geworden. Energydrinks booten das "kühle Blonde" aus Brau-Union-Österreich-Chef Johann Sulzberger führt den Rückgang bzw. die Stagnation beim Bierverbrauch in den meisten gesättigten Industriemärkten auf die veränderten Arbeits- und Lebensgewohnheiten, die demographische Entwicklung, aber auch legistische Maßnahmen, wie die 0,5- bzw. 0,0-Promillegrenze für Autofahrer in vielen europäischen Ländern zurück. Neue Durstlöscher wie Energydrinks und Eistee gingen ebenfalls zunehmend auf Kosten der "kühlen Blonden". Das kleine Absatzplus von 1,2 Prozent in Österreich im ersten Halbjahr lässt Sulzberger allerdings wieder hoffen, dass die Österreicher "zu ihrem Urgeschmack zurückfinden". Wachstum auf niedrigem Niveau verzeichnet die Bierindustrie auch in Asien. (APA)