London/München - Münchner Forscher haben einen neuen Ansatz zur Therapie von Gehirnerkrankungen wie der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, Scrapie und der Rinderseuche BSE gefunden. Die Behandlung habe das Leben von Mäusen, die eine entsprechende Prionen-Krankheit hatten, um 38 Prozent verlängert, schreiben Prof. Hans Kretzschmar und Kollegen der Ludwig-Maximilians-Universität-München im britischen Fachjournal "Lancet" (Bd. 360, S. 230). Nach weiteren Behandlungen sei die Überlebenszeit sogar noch gestiegen. Daraus ergebe sich ein neuer Ansatz auch für die Therapie von Menschen. Prionen enthalten kein Genmaterial, und dies könnte, so die Überlegung des Teams, ein Grund für die fehlende Immunreaktion des Körpers auf diese Proteine sein. Die Forscher nutzten künstliche Gen-Stückchen, die so genannten CpG Oligodeoxynucleotide (CpG ODN). Von diesen war bereits bekannt, dass sie das Immunsystem stimulieren. Das Team spritzte Versuchsmäusen sehr stark zerkleinerte (homogenisierte) Gehirnmasse von Mäusen, die vorher mit dem Scrapie-Erreger infiziert worden waren. Die Überlebenszeit der Versuchsmäuse, die zugleich das künstliche Gen-Stückchen CpG erhielten, war 38 Prozent länger als diejenige solcher Mäuse, die keines bekamen. Ob eine Behandlung mit CpG auch nütze, wenn es erst später gegeben werde, sei nicht bekannt, schreibt das Team. Die wahrscheinlichste Erklärung für den Erfolg ist laut Kretzschmar eine Stimulierung bestimmter Immunzellen, die durch die künstlichen Gen-Stückchen aktiviert werden. (APA/dpa)