Madrid/Wien - Die spanischen Sozialisten sprechen sich offenbar nicht mehr für ein Selbstbestimmungsreferendum in der von Marokko besetzten, vormals spanischen Westsahara aus. "Ich glaube nicht, dass mehr Selbstbestimmung, mehr Nationalismus, oder der Samen von unabhängigen Staaten eine Garantie für den Fortschritt der Völker ist", sagte Parteichef und Oppositionsführer Jose Luis Rodriguez Zapatero nach einem Bericht der Tageszeitung "El Pais" (Freitag-Ausgabe) am Donnerstag bei einer Diskussion mit Jugendlichen in Madrid. Die Sozialisten "bekennen sich mit dem saharauischen Volk solidarisch, aber das ist etwas anderes als der rechtliche Rahmen, den es mit Marokko haben könnte", erwiderte Rodriguez Zapatero auf die provokante Aussage eines Jugendlichen, "dass wir (Spanien, Anm.) große Schlachten um einen Steinbrocken (Perejil, Anm.) gewinnen, aber nichts über die (West-)Sahara sagen". Man müsse der Gegenwart entsprechende Lösungen suchen und nicht "an die Fehler der Vergangenheit gebunden bleiben", so der Sozialistenchef. Der Westsahara-Streit dürfte nach Ansicht von Beobachtern auch im Hintergrund des jüngsten Konflikts der beiden Staaten um die unbewohnte Mittelmeerinsel Perejil (Petersil) stehen. Ende Juli steht im UNO-Sicherheitsrat eine Entscheidung über die Zukunft der Westsahara an. Die Durchführung des von der UNO seit 1991 vorbereiteten Referendums ist bisher am Widerstand Marokkos gescheitert. Spanien besteht auf der Volksabstimmung und hat die jüngsten US-amerikanischen Pläne für eine Autonomie der Westsahara innerhalb Marokkos durchkreuzt. Im Weltsicherheitsrat hatten sich von den fünf Mitgliedern mit Vetorecht nur Russland und China gegen den US-Vorschlag ausgesprochen. Die große Mehrheit der nichtständigen Mitglieder lehnte die Umwandlung der Westsahara in eine "autonome" Provinz Marokkos ab. Der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar hatte US-Präsident George W. Bush im Mai dargelegt, warum Madrid weiter an der Notwendigkeit einer Volksabstimmung in der Westsahara festhält. Er machte deutlich, dass Madrid einem anderen Weg zur Lösung des Konflikts nur zustimmen könne, wenn beide Seiten - die marokkanische Führung und die Polisario-Befreiungsfront - damit einverstanden wären. Jede Entscheidung, die einer der beiden Seiten aufgezwungen würde, hätte die Fortdauer des Konflikts zur Folge. Die von Algerien unterstützte Polisario hatte die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) ausgerufen, die von über 80 Staaten anerkannt wurde. Ihre Aufnahme in die Organisation der Afrikanischen Einheit (OAU) - jetzt Afrikanische Union - veranlasste Marokko zum Austritt. (APA)