Wien/Traiskirchen - "Hilflos zusehen zu müssen ist das Schlimmste", reagierte ÖGB-NÖ-Vorsitzender Josef Staudinger am Freitag auf das Ende der Produktion im Semperit-Werk Traiskirchen. Es sei ihm unverständlich, warum niemand eingegriffen habe, kritisierte Staudinger die "Vogel-Strauß-Politik" der politisch Verantwortlichen. Das Aus bedeute für hunderte Menschen, dass sie ihre Existenz verlieren, und zugleich einen volkswirtschaftlichen Schaden für Niederösterreich, von dem sich die Region lange nicht erholen werde. Arbeiterbetriebsrat Alfred Artmäuer habe um die Rettung des Werkes und damit der Arbeitsplätze "gekämpft wie ein Löwe", so Staudinger: "Ein Kampf gegen eine Konzernphilosophie der 'verbrannten Erde' und gegen eine österreichische Politik, die sich völlig aus ihrer sozialen Verantwortung verabschiedet hat". "Nach vorne schauen - nicht nachweinen" "Nach vorne schauen - nicht nachweinen" meinte VP-NÖ-Klubobmann Klaus Schneeberger: "Panikmache und Krankjammern helfen nicht, die Entscheidung des Continental-Vorstandes zu ändern". Staatliche Unterstützungen hätten den Beschluss nicht verhindern können. Nun gelte es, möglichst gute Voraussetzungen zu schaffen, dass sich neue Unternehmen in der Region um Traiskirchen ansiedeln und Ersatz für die verloren gegangenen Arbeitsplätze liefern. "Und das wird bereits gemacht", verwies Schneeberger u.a. auf die Förderung von Wirtschaftsprojekten. Als Beispiel führte der Klubobmann den geplanten Wirtschaftspark auf dem ehemaligen Semperit-Reifentestgelände in Kottingbrunn an. Die Aufschließungsarbeiten hätten bereits begonnen. Für LHStv. Heidemaria Onodi stellt die Werksschließung und Verlagerung der Produktion in Bliilglohnländer die Notwendigkeit international fixierter Sozialstandards unter Beweis: "Die Globalisierung der Wirtschaft erfordert eine Globalisierung der sozialen Standards." Das Aus für den Traditionsbetrieb mache aber auch eine der Konsequenzen der politischen Wende in Österreich sichtbar, verwies die SP-NÖ-Landesvorsitzende darauf, dass noch 1996 die Bundesregierung und der damalige Bundeskanzler Franz Vranitzky (S) das drohende Ende für den Standort Traiskirchen verhindert hätten. Jetzt sei die Unterstützung der blau-schwarzen Regierung ausgeblieben. Anstatt die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, würden milliardenschwere Kampfflugzeuge gekauft, kritisierte Onodi.(APA)