Manchester - Der wegen 15fachen Mords verurteilte britische Arzt Harold Shipman hat einer Untersuchung zufolge insgesamt mindestens 215 Menschen getötet. Damit wäre Shipman einer der schlimmsten Serienmörder aller Zeiten. Der in Großbritannien "Dr. Death" (Dr. Tod) genannte 56-Jährige habe in den Jahren 1975 bis 1998 immer die gleiche Methode angewandt, teilten die Ermittler am Freitag mit.Als Hausarzt in der nordenglischen Stadt Hyde habe er Hausbesuche abgestattet und dabei seinen Opfern - meist älteren Frauen - Überdosen Heroin gespritzt. Zu diesen 215 Fällen kämen noch 45 weitere, in denen ebenfalls von Mord ausgegangen werden müsse. Besonders erstaunlich sei, dass niemand früher Verdacht ge-schöpft habe. Shipman, der vor zwei Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, hat stets seine Schuldlosigkeit beteuert. Einen neuen Prozess wird es laut Polizei nicht geben, da es unmöglich sei, unvoreingenommene Geschworene zu finden. Bei der Präsentation des Untersuchungsberichts sagte die Richterin Janet Smith, über Shipmans Motive sei sie sich selbst noch nicht schlüssig. Sie halte es aber für möglich, dass der medikamentensüchtige Arzt durch diese Krankheit "auch süchtig nach Mord war". (DER STANDARD, Printausgabe 20./21.07.2002)