Wien - Die internationalen Aktienmärkte haben am Freitag deutlich nachgegeben und teilweise die Tiefstände nach den Terroranschlägen vom 11. September unterboten. Dow Jones fällt auf tiefstem Stand seit Oktober 1998 Der New Yorker Dow Jones Industrial Index rutschte sogar auf den tiefsten Stand seit Oktober 1998. Der US-Leitindex fiel 390,23 Einheiten oder 4,64 Prozent auf 8.019,26 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-Index gab um 2,79 Prozent auf 1319,05 Punkte nach. Auch die wichtigsten europäischen Aktienmärkte verloren stark an Terrain. Die größten Abschläge mussten die Börsen in Frankfurt (minus 5,06 Prozent), Paris (minus 5,40 Prozent) und Zürich (minus 5,19 Prozent) verzeichnen. Der Wiener ATX verlor vergleichsweise bescheidene 1,96 Prozent auf 1197.46 Punkte. Düsterer Ausblick und verlorenes Vertrauen Grund für die massiven Verluste waren eine Menge schlechter Unternehmensnachrichten von Börseflaggschiffen, aber auch verhaltene Ausblicke einzelner Technologieunternehmen wie Sun Microsystems, Ericsson und Microsoft drückten auf das Sentiment. Hinzu kamen weitere Zweifel an den veröffentlichten Bilanzen und Klagen der von den Kursverlusten betroffenen Investoren: US-Anleger wollen den Medienriesen AOL Time Warner wegen Täuschung verklagen. Unabhängig davon trat der Chief Operation Officer (COO) des Unternehmens, Robert Pittman, am Donnerstag abend zurück. AOL Time Warner verloren rund sieben Prozent an Wert. Ericsson brechen ein Zu den Aktien im Blickpunkt zählten auch Ericsson. Die Titel brachen nach der Vorlage von Ergebnissen um 17,93 Prozent auf 11,90 Schwedische Kronen ein. Der Telekomausrüster hat im abgelaufenen Quartal den siebenten Verlust in Folge verbucht und zugleich die Umsatzprognose für 2002 für sein Kerngeschäft mit Mobilfunksystemen gesenkt. Zudem wurden die Details der Bezugsrechte-Emission genannt. Sun Microsystems verlieren mehr als ein Viertel ihres Wertes Besonders unter Druck gerieten die Aktien des Herstellers von Netzcomputern, Sun Microsystems, die um rund 27 Prozent auf 4,25 Dollar einbrachen. Der Konzern hatte nach der Rückkehr in die Gewinnzone in seinem vierten Quartal für das laufende Quartal erneut rote Zahlen angekündigt. Auch die Zurücknahme der Gewinnschätzung von Microsoft für das Geschäftsjahr 2002/2003 auf 1,85 US-Dollar bis 1,91 US-Dollar je Aktie von zuvor 1,89 US-Dollar bis 1,92 US-Dollar wirkte sich negativ aus. Die Titel verloren 3,19 Prozent auf 49,48 Dollar. Deutlich schwächer tendierten auch Nokia mit minus 5,18 Prozent auf 12,99 Euro. Fluchtverhalten bei den Anlegern Die schlechten Nachrichten vom Freitag versetzten den zarten Erholungsansätzen der internationalen Leitbörsen gegen Ende der Handelswoche ein jähes Ende. Unterm Strich bleibt nach einem turbulenten und volatilen Verlauf neuerlich ein deutlicher Kursrutsch. "Die heftigen Reaktionen an den Märkten deuten auf ein Fluchtverhalten bei den Anlegern hin", meinte ein Händler. Märkte weiter volatil Der schlechten Stimmung an den Börsen stehen jedoch ermutigende Ergebnisse der laufenden Berichtssaison zum zweiten Quartal gegenüber. Nach Informationen der Erste Bank kann nach 203 bekannt gegebenen Ergebnissen der im S&P-500 gelisteten Unternehmen eine Gewinnsteigerung um 13,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal ausweisen. 62 Prozent der Unternehmen hätten die Analystenerwartungen übertroffen, bloß zwölf Prozent hätten diese verfehlt. Für die kommende Woche erwarten die Erste-Analysten angesichts zahlreicher Unternehmensnachrichten einen neuerlich volatilen Handelsverlauf. (APA/Reuters/red)