Islamabad - Auf seiner Vermittlungsmission in Indien und Pakistan hat der britische Außenminister Jack Straw beide Seiten zu einer dauerhaften Friedenslösung im Kaschmir-Konflikt aufgerufen. Die Regierung in Islamabad müsse noch stärker gegen mutmaßliche Extremisten in der Himalaya-Region vorgehen, erklärte Straw am Wochenende bei einem Kurzbesuch in Pakistan. Am Vortag hatte er Indien aufgefordert, die Menschenrechte in Kaschmir zu respektieren. Trotz der jüngsten Entspannung bleibe die Lage an der Waffenstillstandslinie weiter schwierig, sagte Straw auf einer Pressekonferenz. Straw war zuvor in Islamabad mit dem Staatssekretär im pakistanischen Außenministerium, Inamul Haq, zusammengetroffen, der sich um eine Wiederaufnahme des Dialogs mit Indien bemüht. Ein Gespräch mit Präsident General Pervez Musharraf kam jedoch nicht zu Stande. Pakistanische Zeitungen berichteten, Musharraf habe sich gegen ein Treffen entschieden, weil seine Berater ihm davon abgeraten und Straw Voreingenommenheit für Indien vorgeworfen hätten. Es war jedoch nicht bekannt, ob Großbritannien um ein Gespräch zwischen Musharraf und Straw ersucht hatte. Kritik an Indien Das indische Vorgehen gegen mutmaßliche Extremisten im Unionsstaat Jammu und Kaschmir war bei Menschenrechtsorganisationen und Dorfbewohnern auf scharfe Kritik gestoßen. Sie warfen der Regierung in Neu-Delhi die Verletzung von Menschenrechten vor. Er vertraue darauf, dass Neu-Delhi entsprechende Maßnahmen gegen solche Verletzungen ergreife, sagte Straw vor seinem Rückflug nach London. Indien geht von einer anhaltenden Infiltration islamistischer Kämpfer aus dem pakistanischen Teil Kaschmirs aus. Musharraf hatte ein scharfes Durchgreifen gegen Extremisten zugesagt und zahlreiche Verdächtige festnehmen lassen. Als Großbritannien 1947 den Subkontinent in die Unabhängigkeit entließ und die mehrheitlich moslemisch besiedelten Gebiete den neuen Staat Pakistan bildeten, optierte der Maharadscha von Kaschmir, Hari Singh, selbst ein Sikh, für den Beitritt seines Fürstentums mit moslemischer Mehrheitsbevölkerung zur Indischen Union. Rund 60 Prozent der Fläche kamen zu Indien (1957 wurde der Unionsstaat Jammu und Kaschmir geschaffen), während der nordwestliche Teil als "Azad Kaschmir" (Freies Kaschmir) unter pakistanische Verwaltung gestellt wurde. Im Kaschmir-Konflikt sind allein in den vergangenen zwölf Jahren rund 60.000 Menschen getötet worden. Ein Anschlag im Mai brachte die beiden Atommächte an den Rand eines Krieges. In Kürze wird US-Außenminister Colin Powell zu einer Vermittlungsmission in der Region erwartet. (APA/dpa)