Bei Impuls-Tanz feierte Anne Teresa De Keersmaeker ihr Bühnenjubiläum mit einem Querschnitt durch ihr Repertoire, der Algerier Heddy Maalem zeigte afrikanischen Tanz.Wien - Ein zwanzigjähriges Bühnenjubiläum darf ausgiebig gefeiert werden. Anne Teresa De Keersmaeker und ihre Kompanie Rosas tun das bei ImPulsTanz in großem Stil. Wunderschöne Blumenarrangements flankieren die Bühne des Burgtheaters. Auch der Sekt steht schon bereit.

Die Choreografin selbst eröffnet die Gala - Soirée Répertoire mit "Violin Phase", einem 1981, während ihrer New Yorker Studienzeit, entstandenem Schlüsselwerk, Teil aus "Four movements to the music of Steve Reich". Und sie tanzt dieses, und im Verlauf des Abends sämtliche andere Partien, legt ihr Bewegungsrepertoire in den Grundzügen dar, zeigt die Bausteine, aus denen Späteres geschaffen wurde.

Simple Schritte, repetiert und erweitert; dem Rhythmus gemäß variiert, schließlich zu einer stetig komplexer werdenden Choreografie verdichtet. Wie ehemals tanzt De Keersmaeker im schlichten weißen Kleid. Auch das Outfit ist immer Teil der Choreografie, wippt der Rock mit, ist sie noch immer keck genug, das Röckchen zu lüpfen. Eine persönliche Geste, ein Charakteristikum, das die an sich tänzerische Strenge mit einem Schuss Ironie veredelt.

Altbekannte Tänzer wie Fumiyo Ikeda, Vincent Dunoyer und Marion Lévy interpretieren die "Französische Suite" aus "Toccata" (1993; Musik: Johann Sebastian Bach).

Richtig zur Geltung kommt das Ballettvokabular dann im "Lissabon Piece" (1998; Musik: Thierry De Mey und Eric Sleichim), das sie gemeinsam mit Elizabeth Corbett, der fulminanten Tänzerin aus William Forsythes Stücken der 80er Jahre, geschaffen hat. Interpreten sind nicht die "Rosas", sondern fünf Mitglieder der Compania Nacional de Bailado aus Lissabon. De Keersmaeker setzt deren Fähigkeiten richtig ein, nimmt Bewegungssequenzen aus älteren Arbeiten, lässt auf Spitze tanzen. Das Resultat konnte sich sehen lassen.


Senegal und Nigeria

Den Abschluss der ausgiebigen Gala machte "Große Fuge" (1992, Musik: Ludwig Van Beethoven), ein ausschließlich für männliche Tänzer konzipiertes und deren spezifische Kräfte benützendes Stück. Mit Soirée Répertoire hat Anne Teresa De Keersmaeker einen profunden Querschnitt durch ihr Repertoire geliefert. Eine ihrer jüngsten Arbeiten, "(but if a look should) April Me" ist noch am 21. Juli (Zusatzvorstellung) im Burgtheater um 21.00 Uhr zu sehen.

"Du bist allein in der Wüste . . .", heißt ein Zitat aus Heddy Maalems Text zu seinem Abend Black Spring. Der algerisch-französische Choreograf reiste in den mittleren Süden Afrikas, befasste sich mit den dort lebenden Menschen und deren Geschichte, samt gravierender politischer Probleme. Mit Tänzern aus dem Senegal und aus Nigeria erarbeitete Maarlem seine Ode. Fünf Männer und zwei Frauen tanzen, tanzen afrikanisch und französisch "contemporain", konfrontieren auf ihre Art mit dem Leben. Und dieses ist zwiespältig, spielt sich ab zwischen gegerbten Tierhäuten, pendelt zwischen aufoktruierter Genusssucht und Prestigezwang.

Zwischendurch fristet man ein Überleben, ein Leben, das von Gewalt und Gewehr-Geknatter überschattet wird. Die schicken Kleider werden oft gewechselt, man stellt sich dar, überaus bewusst. Traditioneller afrikanischer Tanz!?

(Ursula Kneiss/DER STANDARD, Printausgabe vom 20./21.7.2002)