Wer Othmar Hill in seinem Wiener Büro in der Fasangasse besucht, stolpert gleich in die Realität der Beratung und hat Anteil an seinem Werken und Wirken. Ein Anruf aus Spanien, dann folgt einer aus Dniepropetrovsk, wo künftig eine neue Niederlassung aufgebaut werden soll.

Hill gibt sich stets gelassen. Plaudert fröhlich und locker mit seinen jeweiligen Gesprächspartnern. Der quirlige Wirtschaftspsychologe und Chef der gleichnamigen Personalberatung ist ständig auf Achse. Mittlerweile umfasst sein Unternehmen 40 Büros in 22 Ländern: dazu zählen Chile, Australien, Südafrika, Peru, Kiew und demnächst eben Dnjepropetrowsk.

Hill macht sich oft Gedanken um die Entwicklung der Arbeitswelt. Aus diesem Grund hat er ein Buch mit dem warnenden Titel "Das Ende der Massenmenschhaltung" geschrieben. Darin rechnet er mit den Managern von heute gehörig ab. Die Arbeitswelt sei viel zu destruktiv und repressiv geworden. Unternehmen würden zu "manischen Organisationen" mutieren: geprägt von einem ständigen Aktionsdrang, ständigen Reformen und Fusionen.

Hill spricht von "Männermanagern", die nicht mehr in der Lage seien zu reflektieren. Effektiv seien sie außerdem auch nicht. Dies habe zur Folge, dass der Arbeitsmarkt einbricht. "Und das ist seit dem Vorjahr der Fall", sagt Hill.

Firmen in Agonie

Auf die große Fusionitis folgten weltweit Massenentlassungen. Kündigungen, so erklärt Hill, seien "angstbesetzte Übungen". Firmen befänden sich in Agonie, würden nur mehr an Abbau denken und dann schließlich scheitern. Doch, gibt Hill zu bedenken, "auch wenn sich der gesamte Arbeitsmarkt verändern würde, stellt sich danach immer die Frage: Mit wem wird künftig eine Zusammenarbeit möglich sein?"

Die Antwort darauf ist einleuchtend: "In Zukunft wird es darauf ankommen, besser zu netzwerken. Konstruktiver und permissiver zu sein. Dann finden auch die richtigen Menschen zusammen."

Der gelernte Psychologe plädiert für "weiche Techniken in der Arbeitswelt", um die zahlreichen seelischen Mülldeponien, die während der Arbeit entstehen, zu entsorgen: dazu zählen Coaching, Mentoring, Monitoring ebenso wie Mediation.

"Unzählige Kündigungen gehen auf das Konto nicht verarbeiteter gemeinsamer Probleme", sagt Othmar Hill. Besser wäre es jedoch gewesen, sich die über Monate und Jahre angestaute Aufarbeitung der interaktiven Barrieren vorzunehmen. Viele Organisationen würden ihre wertvollsten Mitarbeiter opfern.

Dass es am Ende nicht so weit kommen muss, ist klar. Hill hat auch hier ein Rezept für Unternehmer: "Erfolg besteht zur Hälfte aus der richtigen Personalauswahl und aus Personalentwicklung und Strategie." Denn: "Wenn ich als Unternehmer weiß, wo die Reise hingeht, und noch dazu die richtigen Leute finde, die dies mit mir umsetzen, kann eigentlich nichts mehr schief gehen." (Judith Grohmann/DER STANDARD, Printausgabe)