Wer täglich sein Bio-Wiener-Schnitzerl mit Bioerdäpfelsalat konsumiert, lebt zwar teurer, aber nicht unbedingt gesünder als jemand, der sich mit der gleichen Kost konventionell im Wirtshaus eindeckt: Der Konsum biologischer Lebensmittel führt nicht automatisch zu einem gesünderen Lebensstil mit mehr Obst, weniger Fleisch und organischen Fetten. Vielmehr liegen dem Biolandbau ganzheitliche Modelle von Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion zugrunde: Umweltschutz in Sinne eines Verzichts auf chemisch-synthetische Spritz- und Futtermittel, artgerechte Haltung von Nutztieren, Förderung lokaler Produzenten. Was biologisch ist, muss den EU-weit geltenden Biorichtlinien entsprechen und ist in Österreich mit dem Ama-Biosiegel (nicht zu verwechseln mit dem "normalen" Ama-Gütesiegel) oder diversen Vereinssiegeln - etwa jenem von Demeter - gekennzeichnet. Die Preise für Bioprodukte sind zwischen einem Drittel (Erdäpfel) und hundert Prozent (Hühner, Truthahn) höher als jene konventioneller Waren. Biolebensmittel sind nicht mit Vollwertwaren (Produkte aus unpoliertem Getreide) zu verwechseln. Sie sind nicht automatisch vegetarisch (ohne Fleisch oder, laut Veganismus, ganz ohne tierisches Eiweiß). Und, was dem Leiter der österreichweiten Bioinformation, Lothar Greger, wichtig ist: "Auch Produkte vom Bauernmarkt sind keinesfalls immer ,bio'". (bri/DER STANDARD, Printausgabe 20./21.07.2002)