Eisenstadt - Die Unken unken, nicht nur die im Hanság und im Schilfgürtel. "Immer wieder", erzählt die Öffentlichkeitsarbeiterin von Neusiedler See Tourismus, Alexandra Reimann, "rufen Leute an und fragen, ob man überhaupt noch schwimmen kann".Pressemeldungen, wonach der flache Steppensee kurz vorm Trockenfallen sei, würden Urlauber verunsichern. Aber: "Es stimmt einfach nicht!" Auch Helmut Rojacz, Beamter der Wasserbauabteilung der Landesregierung und also der intimste Kenner des eigenartigen Wasserhaushaltes des Meeres der Wiener, beruhigt die Unken. "Vom Austrocknen kann vorläufig keine Rede sein." Der Wasserstand liege zwar rund 25 Zentimeter unterm Mittel, der Durchschnitt von 115,49 Metern über der Adria sei allerdings ein fiktiver. Steppenseen seien eben enormen Schwankungen unterworfen. 1996 lag der Spiegel nach schneereichen Wintern bei gut 116 Metern, "auf der Seebadstraße in Illmitz sind die Fische geschwommen". In den letzten Jahren hat es deutlich weniger Niederschläge gegeben, darauf reagiere eben der See, "dessen Input zu 80 Prozent der Regen und dessen Output zu 90 Prozent die Verdunstung besorgen". Trotzdem, sagt der Wasserbauer, sei die Situation durchaus ernst. Vor allem deshalb, weil der Neusiedler See mit seinem Tourismus mittlerweile ein ökonomischer Faktor sei. Vor kurzem ist deshalb eine Machbarkeitsstudie über die Versorgung des Neusiedler Sees mit Fremdwasser in Auftrag gegeben worden. "Geprüft wird die Möglichkeit, dem See Wasser aus dem System von Donau, Raab und Rabnitz zuzuführen." Alois Lang vom Nationalpark sieht damit freilich auch Gefahren verbunden: Das Donauwasser habe eine ganz andere mikroorganische Zusammensetzung. Auch bei Raab und Rabnitz "weiß man nicht, welche Auswirkungen das auf die Mikroorganismen im See hat". Außerdem sei das Trockenfallen natürlich, passiere alle 120 Jahre. Das letzte Mal konnte man von 1866 bis 1872 zu Fuß den See queren, "es wäre also wieder Zeit". Damals freilich hat man auch die Nachteile eines trockenen Sees kennen gelernt: tränende Augen durch den salzigen Staub, Qualitätsminderung im Weinbau. Und die berühmten Edelsüßen können ohne den mikroklimatischen Einfluss des Sees überhaupt nicht gedeihen. (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21. 7. 2002)